Wir sind großartig, schön, intelligent. Manche von uns neigen doch sehr zu Selbstüberschätzung. Und das hat einen Sinn, sagen Wissenschaftler: Es hilft uns, andere von unseren Fähigkeiten zu überzeugen. Ob wir die nun haben oder nicht.

Ein gesundes Selbstbewusstsein gilt im Allgemeinen als gute Sache. Wer sich hingegen massiv selbst überschätzt und für viel fantastischer hält, als er eigentlich ist, muss mit Spott und Stirnrunzeln rechnen. Eigentlich. Zwei Forscher von der Uni München und Amsterdam haben sich die Selbsteinschätzung von 300 Testpersonen ganz genau angesehen. Und sie kommen zu einem ganz anderen Ergebnis: Selbstüberschätzung ist super. Für die Einzelperson jedenfalls.

Selbstüberschätzung im Experiment

In einem ihrer Experimente sollten die 300 Probanden einen IQ-Test machen und ihre eigene Leistung im Vergleich zu den anderen bewerten. Danach gab es ein Gruppengespräch und die Teilnehmer sollten herausfinden, wer am besten abgeschnitten hatte. Einigen dieser Teilnehmer versprachen die Forscher: "Ihr bekommt 15 Euro, wenn ihr die anderen überzeugt, dass ihr im IQ-Test die Besten wart!"

"Diese versprochene Belohnung wirkte wie eine kleine Anstachelung, in der Gesprächsrunde noch ein bisschen mehr Gas zu geben", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Alexandra Rank. Das half ihnen, die anderen Testpersonen tatsächlich zu überzeugen. Die Forscher sagen: Durch das Wissen, die anderen beeindrucken zu müssen, fühlt man sich selbst den anderen schon überlegen.

Falsche Selbsteinschätzung wirkt

So haben die Testperson selbst daran geglaubt, klüger zu sein. Also waren sie selbstbewusster im Vergleich mit den Teilnehmern, die keine Belohnung in Aussicht gestellt bekommen hatten. Die haben sich im Schnitt nicht so selbstbewusst gegeben.

Das funktioniert aber auch ohne Belohnung: In einem zweiten Versuch pushten die Forscher das Selbstbewusstsein einiger Probanden zusätzlich, indem sie ihnen nach dem IQ-Test positives Feedback gaben. "Das war aber nicht das echte Ergebnis, sondern ein falsches", erklärt Alexandra Rank. "Und zwar wurde ein besseres Ergebnis genannt." Damit wuchs das Selbstbewusstsein der Testpersonen.

"Egal, ob Frauen oder Männer: Mit dem Wissen, dass der IQ-Test super war, waren die Probanden selbstbewusster. Nicht nur sprachlich, sondern auch nonverbal, also mit ihrer Gestik und Mimik."
Alexandra Rank, Deutschlandfunk Nova

Sich selbst zu überschätzen, ist für eine einzelne Person also großartig. Die Forscher schlussfolgern: Wo ein scharfer Wettbewerb herrscht und man andere von sich überzeugen muss, sind Menschen, die sich selbst überschätzen, erfolgreicher. Allerdings könne dieses Phänomen der Gesellschaft schaden: "Denn das kann ja dazu führen, dass nicht der oder die beste, sondern nur der mit der größten Selbstüberschätzung Erfolg hat."