Blutzucker-Tracking und Diabetes-Medikamente trenden in sozialen Medien derzeit als Möglichkeit abzunehmen. Viele Experten raten jedoch davon ab, dass Gesunde Medikamente nehmen, die für Diabeteskranke vorgesehen sind. Gesunde Menschen müssen ihren Blutzucker nicht überwachen, sagt die Medizinjournalistin Christina Sartori.

Unser Blutzuckerspiegel hängt von vielen Faktoren ab, sagt die Medizinjournalistin Christina Sartori. Nicht nur von Nahrungsmitteln und Getränken, die wir zu uns nehmen. Auch Aufregung und Angst können ihn beeinflussen, genauso wie ein Schnupfen, an dem wir erkranken.

"Den Blutzuckerspiegel zu tracken – kurz und deutlich gesagt: Das ist Blödsinn. So hat mir ein Diabetes-Experte auf diese Frage geantwortet."
Christina Sartori, Medizinjournalistin

Als gesunder Mensch den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu messen, hält die Journalistin für Blödsinn. Ein Diabetes-Experte bestätigt das. Vielmehr kann es unserer Gesundheit auch schaden, wenn sich daraus eine zwanghafte Kontrolle von Körperfunktionen entwickle.

"Manche Menschen gucken oft am Tag, wie ihr Puls ist, ihr Blutzuckerspiegel, Blutdruck – obwohl sie gesund sind – das kann dann regelrecht zwanghaft werden."
Christina Sartori, Medizinjournalistin

Ein gesunder Körper sei ganz gut darin, selbst die Konzentration des Blutzuckers zu messen und die Bauchspeicheldrüse reagiere recht schnell, wenn wir nach einer Mahlzeit überdurchschnittlich viel Zucker im Blut hätten, sagt die Journalistin.

"Wenn ich eine Limo trinke, dann ist das so, als ob ich im Porsche auf der Autobahn das Gaspedal durchdrücke – da muss ich nicht aufs Tacho gucken, ob ich zu schnell bin. Das weiß ich dann."
Christina Sartori, Medizinjournalistin

Nach der sogenannten "Coat your starches"-Empfehlung (Lebensmittelstärken einwickeln oder ummanteln) könnten wir zum Beispiel beim Verzehr von weißen Reissorten darauf achten, dass wir sie mit einer fettigen Soße kombinieren, beispielweise einer Currysoße.

"Weil man damit eben die Kohlehydrate "einwickelt“: weil auch die fette Soße verdaut werden muss und das Zeit braucht, wird auch der Reis langsamer verdaut."
Christina Sartori, Medizinjournalistin

Die Verdauung der fettigen Soße sei aufwendig. Als Folge werde auch der Reis langsamer verdaut. Die Kohlehydrate des Reises werden auf diese Weise nicht alle auf einmal am Anfang der Verdauung ins Blut gegeben, sondern nach und nach. Einen ähnlichen Effekt haben auch Vollkornprodukte, sagt Christina Sartori.

Aus diesen Gründen plädiert sie dafür, den eigenen Körper durch eine ausgewogene Ernährung zu unterstützen, anstatt ihn ständig zu überwachen. Permanentes Messen kann auch einen gewissen Stress hervorrufen, der letztendlich ungesund sein kann.

"Unser Blutzuckerspiegel steigt auch, wenn wir uns aufregen. Der wird nicht nur durch das beeinflusst, was wir essen und trinken, sondern auch durch Aufregung oder Angst.
Christina Sartori, Medizinjournalistin
  • Moderation:  Steffi Orbach
  • Gesprächspartnerin:  Christina Sartori, Medizinjournalistin