Sie sind süchtig nach starken Gefühlen - positiven wie negativen. Serienjunkies ziehen sich eine Folge nach der anderen rein. Auf Entzug reagieren sie wie Drogenabhängige.

Serienjunkies - klingt erst einmal harmlos und damit sind auch nicht diejenigen gemeint, die sich mal am Wochenende alle Folgen einer Serie reinziehen. Ab wann gilt man als abhängig? Forscher haben mit Personen, die sich selbst als Serienjunkies bezeichnen, einen Test durchgeführt. Die Probanden haben sie an Diagnosegeräte angeschlossen, um Temperatur, Herzschlag, Atmung und Hirnaktivität zu messen. Zu Beginn haben die Junkies eine Folge ihrer Lieblingsserie gesehen, dann plötzlich wird die Folge mit einer Störmeldung unterbrochen.

"Da haben die richtig angefangen zu schwitzen, da ist die Temperatur abgefallen und der Puls ist angestiegen und die haben erst einmal die Luft angehalten."
Kai-Markus Müller, Neuromarketing Labs

Bei Entzug reagiert der Körper und die Gehirnaktivitäten verändern sich, fasst der Versuchsleiter Kai-Markus Müller zusammen. "Eine beliebte Serie spricht besonders viele Emotionen an, positive wie negative," erklärt der Forscher die Reaktionen. Diese starken Emotionen können abhängig machen. Fehlen sie im Alltag, versucht der Serienjunky diese über weitere Folgen zu kompensieren. Auf lange Sicht führt das zu einem ähnlichen Suchtverhalten wie bei Drogen. Und die Reaktionen bei Entzug ähneln denen bei Drogenabhängige.

Hauptsache Serie - egal welche

Seit das Angebot an Serien über Streaming rapide zugenommen hat, scheint auch die Sucht immer mehr zum Problem zu werden. Gordon Schmid von der Berliner Caritasberatungsstelle für Computerspiel- und Internetsüchtige hat unter seinen Patienten auch 10 Prozent Serienjunkies. Vor allem Frauen seien von der Sucht betroffen.Als seriensüchtig bezeichnet Gordon Schmid Personen, die ihren Alltag nicht mehr bewältigen, Kontakte vernachlässigen, der Arbeit fernbleiben oder das Studium schleifen lassen. Und wer dem Binge-Watching frönt, ist auf dem besten Weg zum Junkie.

"Oft ist damit verbunden, dass Geschichten erfunden werden, beziehungsweise gelogen wird, um das exzessive Schauen der Serien zu verheimlichen."
Gordon Schmid, Suchtberater