Wenn ein Wolf immer wieder im selben Gebiet auftaucht, ist er sesshaft geworden. Sein Revier wird dann offiziell zum "Wolfsgebiet". Das führt zu vielen Konflikten.

Im Jahr 2000 ist nach 150 Jahren das erste Mal wieder ein Wolfsrudel aus Polen in Deutschland aufgetaucht. Heute leben laut Bundesamt für Naturschutz 60 Rudel bei uns, vor allem in Nordostdeutschland. Die meisten Wölfe gibt es in Brandenburg und Sachsen. Aber einzelne Tiere tauchen auch in anderen Bundesländern auf.

Wolf reist Schafe

Jetzt ist der Wolf offiziell auch in Baden-Württemberg heimisch geworden: Seit einem halben Jahr wird dort immer wieder dasselbe Tier gesichtet. Bislang hatte der Wolf hauptsächlich Wild getötet. Ende April griff er aber eine Schafherde an und riss über 40 Tiere. Ein Gentest hat nun seine Identität bestätigt: Es ist der Wolf mit der Kennung "GW 852m".

Die Menschen sind in solchen Fällen sehr besorgt, sagt Nina Graupner. Sie ist Wolfsberaterin in Niedersachsen, wo es ganze Wolfsrudel gibt. Ihre Aufgabe ist es, zwischen den betroffenen Menschen, etwa den Schäfern, und den Behörden zu vermitteln.

"Es kommt natürlich zu sehr vielen Emotionen - gerade auch, wenn viele Nutztiere gerissen worden sind."
Nina Graupner, ehrenamtliche Wolfsberaterin in Niedersachsen

Die Herde schützen

Letztendlich sei es die Aufgabe von uns Menschen, meint Nina Graupner, die Nutztiere zu schützen - durch entsprechend hohe Zäune oder auch Herdenschutzhunde. Denn den Wolf selbst - ein geschütztes Tier - könne man nicht umsiedeln.

"Ich kann dem Wolf ja kein Gebiet zuweisen. Der Wolf ist ein freies Tier."
Nina Graupner, Wolfsberaterin in Niedersachsen

Das neue "Wolfsgebiet" in Baden-Württemberg wird nun mit einem Durchmesser von rund 60 Kilometern um die bekannten Wolfsriss-Stellen herum ausgewiesen. Bauern müssen ihre Tiere in diesem Areal künftig besonders schützen.

Einzeltiere gründen neue Rudel

Es ist damit zu rechnen, sagt Nina Graupner, dass der Einzelwolf dort ein neues Rudel gründen wird. Offenbar hat das Tier in der Gegend gute Voraussetzungen zum Überleben gefunden - also genügend Nahrung und auch ein Schutzgebiet, in das es sich zurückziehen kann.

"Die Einzelwölfe, also die Jungwölfe, verlassen das Rudel mit der Geschlechtsreife, spätestens als zweijährige Tiere. Und die suchen sich natürlich ein neues Territorium."
Nina Graupner, Wolfsberaterin in Niedersachsen

In ganz Deutschland töten Wölfe pro Jahr mehrere hundert Nutztiere wie Schafe oder Ziegen. Die Bauern werden vom Land für ihren finanziellen Verlust entschädigt.

Wölfe selbst werden öfter illegal erschossen oder von Autos überfahren. Von den in Deutschland seit dem Jahr 2000 insgesamt 201 tot aufgefundenen Wölfen sind 140 durch den Straßenverkehr ums Leben gekommen und 26 illegal getötet worden. Die anderen sind eines natürlichen Todes gestorben.

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