In Tel Aviv betreibt Chana Boteach, Tochter eines Rabbiners, einen Sexshop. Mit ihrem Laden möchte sie das Klischee brechen, ein praktizierter Glaube würde die Sexualität einengen.

Kleine Vibratoren, große Vibratoren, Dildos aus Kristall oder Silikon: Chana Boteach betreibt einen koscheren Sex-Shop in Israel. Als Tochter eines bekannten orthodoxen Rabbiners und gläubige Jüdin praktiziert Chana ihren Glauben. Mit ihrem Sex-Shop möchte sie deutlich machen: Religion und ein abwechslungsreiches, aufregendes Sexleben passen zusammen.

In hellem Licht und dezenten Regalen präsentiert Chana ihre Sexspielzeuge wie ausgewählte Schmuckstücke. Beim Vorbeilaufen können Fußgängerinnen und Fußgänger durch das offene Schaufenster in den Laden blicken: Hier soll nichts hinter schweren Vorhängen versteckt werden.

Koschere Vibratoren und Dildos
© Benjamin Hammer

Der Laden im modernen Teil Tel Avivs sieht aus wie eine Modeboutique, in der die Produkte eher unaufdringlich wirken. Und sie sind auf die Regeln des Judentums hinsichtlich des Auslebens der Sexualität abgestimmt – sie sind koscher.

Übersetzt bedeutet "koscher" etwa "geeignet", "tauglich". Bekannt ist dieser Begriff vor allem im Zusammenhang mit Lebensmitteln. Sind diese koscher, entsprechen sie den Regeln der Tora. Im weiteren Sinne geht es darum, nach dem göttlichen Willen zu leben. Im umgangssprachlichen Kontext wird "koscher" daher allgemein als "in Ordnung" interpretiert. Und das müssen auch die Dildos und Vibratoren sein.

Koschere Sextoys: Mit Feingefühl die Regel des Judentums einhalten

Vibratoren, die eins zu eins wie ein erigierter Penis aussehen, verkauft Chana Boteach zum Beispiel nicht. Handschellen und Peitschen sind vergleichsweise klein, weil Menschen einander keinen Schmerz zufügen sollen. Dies würde den Regeln der Tora widersprechen. In dem koscheren Sex-Shop wird auch keine Art von Pornografie angeboten.

Rabbiner würden immer wieder betonen, der Mann habe die klare Aufgabe, die Frau zu befriedigen, erklärt Chana Boteach. Daher richten sich die Sexspielzeuge in erster Linie an Frauen, die ihr Sexleben zusammen mit ihrem Partner spannender gestalten möchten.

"Ich fand es cool, wie diese religiöse Frau mit dem Klischee gebrochen hat, sexuell spießig zu sein."
Benjamin Hammer, Korrespondent in Tel Aviv

Als orthodoxe Jüdin unterstützt sie die Monogamie in einer Beziehung und lebt nach den Regeln der Tora. Der Sex-Shop soll besonders Frauen in gläubigen Partnerschaften helfen, für ihre Bedürfnisse und Wünsche einzustehen.

Trotzdem: Ultra-orthodoxe Juden würden den Laden eher meiden. Bisher habe sich erst einer von ihnen im Sex-Shop beraten lassen.

"Würde Chana mit ihrem Laden in ein ultrareligiöses Viertel gehen, hätte sie, glaube ich, ein Problem."
Benjamin Hammer, Korrespondent in Tel Aviv