Sex gegen den Willen des Partners kommt bei vielen Tierarten vor. Manche tierische Vergewaltiger machen allerdings nicht einmal vor Vertretern fremder Arten halt.

Wissenschaftler von der University of Pretoria beobachten regelmäßig Wildtiere auf der antarktischen Marion Island. Dabei haben sie 2006 zufällig einen Seebären entdeckt, wie er in eine Pinguinkolonie eingedrungen ist, einen Pinguin geschnappt, festgehalten und ihn bestiegen hat. Ein ziemlich brutaler Vergewaltigungsakt! Vor allem: Der Seebär bringt rund 100 Kilo auf die Waage, während ein Königspinguin gerade mal um die zehn Kilo wiegt.

Die Pinguine rund herum sind weder ihrem Artgenossen zur Hilfe geeilt, noch sind sie schockiert davon geeilt, sondern haben eher teilnahmslos der Szene beigewohnt. Vielleicht sind die Pinguine auch schon abgestumpft, denn dieser Akt ist kein Einzelfall. Die Forscher haben noch drei weitere Vergewaltigungen der Seebären beobachtet. In einem Fall hat der Seebär sein Opfer sogar getötet und aufgefressen.

Spekulationen über Vergewaltigungen

Warum Seebären Pinguine vergewaltigen, können die Wissenschaftler nicht erklären. Sie vermuten, dass Seebärenmännchen möglicherweise einen hormonellen Überschuss abbauen müssen, Pinguine als Trainingspartner für den Geschlechtsverkehr nutzen oder es sich um Männchen handelt, die kein Weibchen erobern konnten und deshalb auf Pinguinweibchen ausweichen.

"Gerade bei Tieren, die in Gefangenschaft leben, sind schon mehrfach artfremde Vergewaltigungen beobachtet worden."
Mario Ludwig, Tierexperte

Diese Form von Vergewaltigung ist im Tierreich zwar selten, kommt aber vor. Auch bei anderen Tierarten werden Vergewaltigungen beobachtet: Im südafrikanischen Pilanesberg Nationalpark haben Elefantenbullen mehrfach versucht weibliche Breitmaulnashörner zu besteigen.

Tötung aus Frust

Aus Frust über die missglückten Begattungsversuche haben die Bullen am Ende die Nashornweibchen getötet. In diesem Fall wissen die Forscher allerdings, warum die Elefantenbullen so brutal vorgegangen sind: Die Bullen wurden als Waisenkinder in den Nationalpark gebracht, ihnen hat die normale Sozialisation mit Muttertier und Herde gefehlt.

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