Wo sexuelle Belästigung anfängt: bei blöder Anmache, Pfiffen auf der Straßen und betascht werden. Genau das hat fast jede Frau schon einmal erlebt, oder? Eine neue Studie gibt Aufschluss.

Dieses Video ist vor Monaten schon durchs Netz gegangen: Eine Frau läuft zehn Stunden durch New York und wird die ganze Zeit angemacht - hauptsächlich verbal.

Ob genau diese Form der Anmache schon in den Bereich der sexuellen Belästigung fällt, das entscheidet jede Frau anders. Die Cornell University in den USA hat jetzt genau dazu eine Studie veröffentlicht:

  • in 22 Ländern weltweit wurde mehr als die Hälfte der Frauen schon mal betatscht
  • 70 Prozent der Frauen in Deutschland wurden bis zu ihrem 17. Geburtstag schon mal belästigt
  • 21 Prozent der Frauen haben schon einmal erlebt, dass sich ein Mann vor ihnen entblößt hat
  • die Hälfte aller Frauen hat sich schon einmal nicht getraut nachts wegzugehen, zwei Drittel nahmen lieber das Taxi
  • vier Fünftel haben einen anderen Heimweg gewählt
  • und jede 15. Frau hat wegen sexueller Belästigung ihre Arbeitsstelle gekündigt

Natürlich hat die Studie auch einen Haken: Sie wurde freiwillig über das Netz durchgeführt. Es haben also vorwiegend Frauen daran teilgenommen, die sich für das Thema sexuelle Belästigung interessieren. Da kann es natürlich auch sein, dass es sich vor allem um Frauen handelte, die schon einmal Erfahrung mit Street Harassment gemacht haben.

Was ist sexuelle Belästigung?

2004 wurde in Deutschland eine repräsentative Studie zu demselben Thema durchgeführt. Das Ergebnis:

  • 58 Prozent der befragten Frauen haben sexuelle Belästigung erlebt - in der Öffentlichkeit, im Berufs- und im Familienleben und Bekanntenkreis zusammen
  • knapp in jedem 2. Fall ging es um Belästigung auf der Straße

Dazu kommt: Was eine Frau als sexuelle Belästigung wahrnimmt, Pfiffe oder auf der Straße betascht zu werden zum Beispiel, fällt für eine andere Frau möglicherweise noch gar nicht in diese Kategorie. Zudem sind sexuelle Übergriffe sehr traumatisierend und viele Frauen melden sie genau deshalb auch gar nicht. Statistiken gehen davon aus, dass weltweit nur einer von zehn Fällen von sexueller Gewalt den Behörden bekannt wird.

Kaum Vergleiche möglich

Länderübergreifend ist es fast unmöglich sexuelle Gewalt und Belästigung zu vergleichen: Ein gutes Beispiel dafür ist Schweden. Laut UN-Statistik hat Schweden die zweithöchste Vergewaltigungsrate weltweit - 2008 wurden in Schweden 58 Vergewaltigungsfällle auf 100.000 Bewohner angezeigt. Mehr waren es nur in Lesotho im südlichen Afrika. Der Grund dafür: 2005 wurde in Schweden ein neues Strafegesetz erlassen, das Vergewaltigung anders definiert als davor: Wenn in anderen Ländern eine Frau berichtet, von ihrem Mann im letzten Monat jeden Tag vergewaltigt worden zu sein, ist das ein Fall. In Schweden sind es 30.