Ein Forschungsteam hat festgestellt, dass wir gar nicht so viel am Stück sitzen wie bisher angenommen. Selbst, wenn wir sitzend arbeiten, stehen wir am Tag dutzende Male auf – und das ist gut.

Mal schnell auf die Toilette gehen, einen Kaffee holen, zum Drucker oder Kopierer gehen, zwischendurch in die Kantine und wieder zurück. Dass wir pro Tag fast hundertmal aufstehen, selbst, wenn wir einen Bürojob haben, hat ein britisch-niederländisches Forschungsteam jetzt festgestellt. In ihrer Studie haben die Forschenden die Sitzgewohnheiten von 150 Menschen untersucht, die einen Job haben, bei dem sie am Schreibtisch sitzen.

"Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie haben relativ selten mal länger als halbe Stunde am Stück gesessen."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Langes Sitzen kann gesundheitsschädlich sein

Viele Studien haben bereits belegt, dass langes Sitzen den Stoffwechsel beeinflussen, die Knochen dünner und den Gefäßen schaden kann. Dadurch kann dann unter anderem auch das Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen steigen.

Was allerdings bisher nicht untersucht wurde: Wie lange wir im Verlauf eines Tages insgesamt sitzen. Diesen Aspekt wollte das britisch-niederländische Team untersuchen, weil es Hinweise darauf gibt, dass es vor allem schädlich ist, wenn wir länger als eine halbe Stunde am Stück sitzen.

Aber wie genau unser Sitzverhalten aussieht, ist bisher nicht so gut erforscht, weil es aufwendig ist, das zu untersuchen. Denn es reicht nicht, die Probanden zu fragen, wie oft sie aufgestanden sind, weil es sein kann, dass sie sich nicht genau daran erinnern können und auch nicht wissen, wie lange es gedauert hat, bis sie sich wieder hingesetzt haben. Für ihre Studie haben sich die Forschenden also eine Art überlegt, wie sie das tracken können.

Sensor am Bein

Um herauszufinden, wie oft und wie lange die Studienteilnehmer über den Tag verteilt sitzen, wurde jeweils ein Sensor an einem Bein befestigt. Dabei kam heraus, dass die Probanden im Schnitt nur fünf bis sechs Minuten auf einem Stuhl gesessen haben.

Nachdem dem sie aufgestanden waren, haben sie meistens zwei Minuten gestanden, um sich dann wieder hinzusetzen. In der Regel haben die Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer selten länger als 30 Minuten am Stück auf ihrem Bürostuhl verbracht.

Tendenziell nachmittags mobiler

Bei ihrer Studie haben die Wissenschaftler auch herausgefunden, dass wir am Nachmittag öfter von unserem Platz aufstehen als vormittags. Das haben sie damit in Zusammenhang gebracht, dass wir morgens ausgeruhter sind und länger konzentriert am Stück arbeiten können. Wenn wir gegen Nachmittag etwas müder werden, stehen wir öfter mal vom Schreibtisch auf.

"Dass unsere Vorfahren nicht so viel gesessen haben, das stimmt übrigens nicht unbedingt."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

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