Eine Party, auf der ihr nur die Gastgeberin kennt – da kann es schon Überwindung kosten, einfach jemanden anzuquatschen. Vor allem wie? Deutschlandfunk-Nova Reporter Julian Ignatowitsch hat ein paar Smaltalk-Strategien ausprobiert.

Ein Smalltalk, den er nie vergessen wird: Als Deutschlandfunk-Nova-Reporter Julian Ignatowitsch sitzt im Flieger und spricht seine Sitznachbarin an. Er stellt die nicht besonders originelle Frage: "Gefällt dir der Blick aus dem Fenster?" Einfach so.

Mit einem Smalltalk fing es an

Genauso funktioniert Smalltalk: keine ausgeklügelten Sätze, um ein Gespräch zu beginnen. Über seine etwas unbeholfene Frage kommt Julian mit seiner Sitznachbarin ins Plaudern.

Damals lebte sie 9000 Kilometer entfernt von Julians Zuhause. Heute wohnen die beiden zusammen. Sie waren sich gleich sympathisch, haben Nummern ausgetauscht und sind ein Paar geworden.

Ein paar triviale Worte, hinter denen möglicherweise keine große Absicht steckt, können uns anderen Menschen näher bringen und zu einem Austausch führen, der uns neue Perspektiven eröffnet.

"Wenn wir auf der Parkbank neben einem "Wildfremden" sitzen, dann ist der Mensch geneigt, mehr Intimes preis zu geben als seinen Freunden oder Nachbarn gegenüber, weil den sieht man ja nie wieder."
Psychotherapeut und Kommunikationscoach Stephan Lermer

Mehrere Studien, zum Beispiel von der US-Amerikanerin Gillian Sandstrom, belegen: Ein kurzes Gespräch mit Fremden im Kaffee oder an der Supermarktkasse macht uns glücklich.

Menschen, die sozial interagieren, sind glücklicher

Lange Zeit wurde von Forschenden angenommen, dass uns Smalltalk unglücklich macht. 2018 haben dieselben Forschenden an der Universität von Arizona ihre Ergebnisse widerlegt: Menschen, die sozial mehr interagieren, sind glücklicher. Das hat übrigens auch nichts damit zu tun, ob wir introvertiert oder extrovertiert sind.

"Wenn man irgendwo einkauft und dann sagt eine Frau: 'schönes Kleid' – das ist mir kürzlich passiert, dann reißt es mich komplett und dann denke ich mir, ach wie schön!"
Eine Passantin, die unser Reporter Julian Ignatowitsch zu Thema "Smalltalk" befragt hat

Forschende an der Universität Harvard haben untersucht, was den besten Smalltalk ausmacht. Deren Erkenntnis: Auf keinen Fall das Gespräch mit "Wie geht's?" anfangen. Lieber Nachfragen stellen, mit einer kleinen nachvollziehbaren Neuigkeit anfangen und mit Mimik und Gestik Aufmerksamkeit zeigen.

Smalltalk trainiert unser Hirn

Gespräche in lockerer Atmosphäre machen auch schlauer – das hat eine gemeinsame Untersuchung der Universitäten Michigan und Kalifornien gezeigt. So sollen zehn Minuten Smalltalk genauso viel Brainpower aktivieren wie eine Knobelaufgabe. Das liegt laut den Forschenden an Empathie, die die kognitive Hirnarbeit mehr fördert als Konkurrenzdenken. Das zeigt auch, dass soziale und allgemeine Intelligenz eng miteinander verknüpft seien.

"Man denkt oft, dass jemand anderes dann etwas von einem erwartet. Dass der andere nur mit einem redet, weil er was will."
Eine Passantin, die unser Reporter Julian Ignatowitsch zu Thema "Smalltalk" befragt hat

Dass die Beziehung zum Smalltalk der Deutschen nicht unbedingt einfach ist, liegt vielleicht auch daran, was wir von so einem Gespräch erwarten. Eine Umfrage dazu hat ergeben, dass 74 Prozent der Deutschen von einem guten Gespräch erwarten, Neuigkeiten zu erfahren. Nur 60 Prozent haben angegeben, dass Spaß dabei haben ein Motiv für sie ist.

Smalltalk schwer erlernbar für künstliche Intelligenzen

Smalltalk ist schwer zu lernen – jedenfalls für künstliche Intelligenzen. Ziellose Kommunikation, ein Gespräch ohne genaues Ergebnis, ist für KI noch undenkbar, sagen Forschende. Deshalb bleibt die Fähigkeit der lockeren Unterhaltung erstmal menschlich. Denn es ist klar: Auch wenn wir nicht besonders gut darin sind, können wir Smalltalk üben.

"Ich denke, es wird nicht vorgelebt. Wenn man in einer Gesellschaft aufwächst, in der man das tagtäglich erlebt, gehört das dazu."
Ein Passantin, die ihre Meinung dazu sagt, wieso Smalltalk in Deutschland nicht so weit verbreitet ist.