Wer viel Social Media nutzt, für den gelten offenbar auch eher stereotype Rollenbilder. Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage der Kinderrechtsorganisation Plan International. Aber warum nur?

Von wegen Gleichberechtigung. Wer viel bei Instagram oder Youtube abhängt, denkt offenbar eher in tradierten Kategorien. Zumindest was die Rollenverteilung bei den Geschlechtern angeht.

Umfrage unter 1.000 männlichen und weiblichen Teilnehmenden

Die Kinderrechtsorganisation Plan International hat eine Umfrage unter 1.000 Männern und Frauen zwischen 14 und 32 Jahren durchgeführt. Befragt wurden die Teilnehmenden zu ihrem Nutzungsverhalten bei Instagram, Youtube und Facebook sowie zu ihren Ansichten zu Rollenbildern und Gleichberechtigung. Die Ergebnisse sind sehr rückwärtsgewandt.

Je mehr Social Media, desto veralteter die Rollenbilder

Am stärksten waren stereotype Rollenbilder bei jenen ausgeprägt, die täglich Zeit in den sozialen Kanälen verbrachten. Beispielsweise fand es über die Hälfte der befragten Jungen und Männer, die täglich Social Media nutzen, völlig okay, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger verdienen. Bei den befragten Mädchen und Frauen war es ein Drittel.

Mehr als die Hälfte der Männer fand es außerdem vor allem wichtig, dass sich Frauen um Haushalt und Familie kümmern. Bei den Frauen fand es wiederum ein Drittel okay, nicht arbeiten zu gehen, weil der Partner das Geld verdient, fasst Kerstin Ruskowski die Umfrageergebnisse von Plan International zusammen.

"Frauen sollen in erster Linie schlank und hübsch sein, Männer vor allem muskulös und gut gebaut."

Die Macher der repräsentativen Umfrage ziehen aus den Ergebnissen erst einmal den Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von sozialen Medien und der Vorstellung darüber gibt, welche Rollenbilder Männer und Frauen zu erfüllen haben.

Social Media kann Gleichberechtigung bremsen

Laut Plan International kann Social Media aber die Gleichberechtigung bremsen. Weltweit nutzen 3,5 Milliarden Menschen soziale Medien. Gerade bei jungen Leuten zwischen 14 und 19 könne das problematisch sein, da sie laut Plan International noch in der Phase sind, in der sie ihre Persönlichkeit ausbilden. Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland sagt auf der Homepage:

"Ausgerechnet in den sozialen Medien, dem modernen digitalen Zuhause der Millennials und Centennials, begegnen wir völlig überalterten Rollenbildern. Das ist beunruhigend."

Die Hälfte der Befragten gab in der Umfrage an, dass sie auf Social Media eine Person haben, der sie am meisten Aufmerksamkeit widmen – und dass die für sie eine Vorbildfunktion für das eigene Geschlecht hat. Und das Rollenbild, das viele solcher Influencerinnen und Influencer vermitteln, ist eben oft ein klassisches, sagt Kerstin Ruskowski.

Männer: Games und Sport – Frauen: Beauty und Kochen

Interessant ist auch, mit welchen Themenfeldern sich die Befragten auf Social Media beschäftigen. Bei den männlichen Teilnehmern waren es: Gaming, Comedy und Sport. Bei den weiblichen Teilnehmerinnen waren es Beauty, Schminken, Kosmetik, Mode, sowie Fashion, Ernährung und Kochen.

Immerhin, die Teilnehmenden scheinen ihre stereotypen Rollenbilder mit ihren eigenen Postings nicht weiterzuverbreiten. In eigenen Posts gehe es ihren Angaben zufolge vor allem um Alltagssituationen, Reisen und Fotografie – das sind sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Top-3-Themen bei eigenen Posts.