Twitter will Hasskommentare und Fake-News reduzieren – und löscht seit Anfang Februar fleißig Accounts. In vielen Fällen handelt es sich dabei um wenig genutzte Fake-Konten.

Es gibt etwa 330 Millionen aktive User pro Monat bei Twitter. Wenn jetzt 70 Millionen Accounts wegfallen, wird es aber trotzdem nicht einsam, sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Bei denen handelt es sich nämlich in vielen Fällen um Fake-Accounts.

Von vielen der gelöschten Accounts sei nur wenig getwittert worden. Es kann also gut sein, dass die Löschaktion für viele User keine Auswirkungen auf ihre Follower-Zahlen haben. Trotzdem: Die Zahl der gesperrten Accounts nimmt rasant zu, sagt Andreas Noll. 

"Die Zahl der gesperrten Accounts hat sich innerhalb weniger Monate auf eine Million pro Tag verdoppelt."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Seit Anfang Februar hat Twitter diese Sperraktion, aber sie hat jetzt deutlich an Fahrt aufgenommen.

Twitter im US-Wahlkampf 

Der wohl wichtigste Beweggrund für die groß angelegte Löschaktion sind die Enthüllungen über den letzten US-Wahlkampf. Seit klar ist, dass russische Gruppen via Social Media versucht haben, die US-Wahl zu beeinflussen, stehen die großen Tech-Konzerne in der Kritik. 

Im Falle von Twitter geht es um automatisierte Bots oder Trolle, die versucht haben, die Meinung zugunsten Trumps zu drehen. Jetzt wollen Facebook, Twitter und Co. zeigen, dass sie aus diesem Desaster gelernt haben, sagt Andreas Noll. Dass sie das nicht hätten, wird ihnen nämlich immer wieder vorgeworfen.

NetzDG und DSGVO

Auch einzelne Gesetze in Europa spielen eine Rolle: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) oder "Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken" verlangt etwa, dass "offensichtlich rechtswidrige" Inhalte innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden müssen. Bis zum 1. Januar 2018 mussten Unternehmen die Forderungen des NetzDG umsetzen.

Auch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) dürfte bei den Löschzahlen eine Rolle spielen, sagt Andreas Noll. Twitter habe Accounts von Usern gelöscht, die zu jung für Twitter sind. Der Konzern selbst spricht in seinen AGB von einem Mindestalter von 13 Jahren. Die DGVO sieht allerdings vor, dass Nutzer, die jünger als 16 sind, eine Einwilligung oder Zustimmung durch Erziehungsberechtigte brauchen.

Wer bei Twitter als Geburtstag den Tag des Projektbeginns angibt, kriegt Probleme. Beispiel: der Redaktionsaccount von Netzpolitik.org.

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Die neue Sperrmentalität

Ob sich die neue Sperrmentalität für Twitter auszahlt, sei schwer zu sagen, sagt Andreas Noll. Aktuell sei löschen scheinbar angesagt.

"Ich denke, man sperrt derzeit lieber einmal zu viel als zu wenig."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wenn man sich die widerstrebenden Pole Sicherheit und Meinungsfreiheit anschaue, werde bei Twitter gerade die Sicherheit besonders betont. Ob das aber dauerhaft so bleibt, sei fraglich. 

Wirtschaftlich könnten sich die gesunkenen Nutzerzahlen natürlich auch bemerkbar machen. Die Zahlen für diesen Zeitraum liegen aber noch nicht vor.

Donald Trumps Reaktion 

Die russischen Trolle werden wohl kaum eine E-Petition starten, sagt Andreas Noll. Es gab allerdings eine Reaktion aus dem Weißen Haus. Donald Trump hat das Thema am Wochenende aufgenommen.

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Er fordert Twitter auf, auch die aus seiner Sicht "Fake-Medien" New York Times und Washington Post zu sperren. Aber selbst, wenn dies nicht geschehe: Länger als sieben Jahre hielten die ohnehin nicht mehr durch, schreibt Trump. Eine steile These.

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