Manche Menschen vermuten, Firmen würden sie über ihr Smartphone belauschen: Haben sie sich zum Beispiel darüber unterhalten, ein neues Fahrrad zu kaufen, bekommen sie wenig später Werbung für Fahrräder in den sozialen Medien angezeigt. Das Experiment einer Sicherheitsfirma konnte für gezieltes Abhören und Werbung-Schalten keinen Hinweis finden.

Die Londoner Smartphone-Sicherheitsfirma Wandera hat in einem Experiment angezeigte Werbung ausgewertet. Denn das Phänomen des Abhörens über andere technische Wege zu untersuchen, sei schwierig, meint Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler.

Handys mit Werbung beschallt

Das Unternehmen hat deshalb verschiedene Smartphones zu unterschiedlichen Zeiten mit Werbung für Hunde- und Katzenfutter beschallt. Im Anschluss hat es überprüft, wie viele Werbeanzeigen für Hunde- und Katzenfutter auf Social-Media-Plattformen erscheinen. Dabei kam es zu keinen Auffälligkeiten. Das Experiment konnte also nicht beweisen, dass Firmen über unsere Handys tatsächlich mithören.

Konstantin Köhler sagt allerdings, dass im Netz sehr viele Userinnen und User vom Gegenteil berichten. Rund um dieses Phänomen gibt es demnach noch keine gesicherte Erkenntnis beziehungsweise viele Unklarheiten.

"Es gibt hier also glaubhaft dokumentierte Phänomene, für die es noch keine gute Erklärung gibt."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Fragt man bei den großen Playern nach, streiten Google und Facebook ein Mithören von Gesprächen übers Handy ab. Möglich wäre es allerdings – und zwar mit einer entsprechenden Software wie Alphonso, die in einigen Spielen auch schon gefunden wurde. Hierbei ist jedoch nicht klar, welche Apps diese Mithörsoftware nutzen und welche nicht.

"Unser Gehirn stellt uns ja gerne auch mal eine Falle: Wenn wir denken, dass wir belauscht werden, finden wir Beispiele dafür."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Kein Beweis fürs Mithören

Viele Experten vermuten daher, dass ähnliche Software nur temporär und sehr gezielt zum Einsatz kommt, sagt Konstantin Köhler. Algorithmen könnten so gebaut sein, dass sie nur bei bestimmten Stichwörtern mithören: Zum Beispiel bei Gesprächen, in denen es um ein konkretes Produkt oder um einen möglichen Kauf geht.

Beim Experiment der Sicherheitsfirma war es anders: Hier wurden die Smartphones konkret mit Werbung beschallt. Darum könne das Experiment nicht als Beweis gewertet werden, nur als weiterer Hinweis, meint Konstantin Köhler.