Vor einem Jahr hat Elon Musk Twitter für 44 Milliarden US-Dollar gekauft. Inzwischen heißt der Mikrobloggingdienst nur noch X, wird in die X-Markenwelt des Multimilliardärs eingepasst und nach und nach zu seiner eigenen Plattform umgebaut.

Der sympathische, kleine blaue Twittervogel ist tot, gekillt von X, dem neuen Namen für Twitter. Das ist die augenfälligste Änderung, die Elon Musk seit seiner Übernahme von Twitter vor einem Jahr vorgenommen hat, sagt die ARD-Korrespondentin in Los Angeles, Katharina Wilhelm.

"Elon Musk hat eine große Vision: Aus X soll die Alles-App werden."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin in Los Angeles

Dem Multimilliardär schwebt vor, aus der Plattform X eine App zu machen, in der viele Dienste integriert sind wie Telefonieren, Bezahlen, Shoppen und vieles mehr, erklärt unsere Korrespondentin. Laut Elon Musk sei das aber nur der Anfang.

Änderungen bei Twitter seit Elon Musks Übernahme:

  • Twitter ist nicht mehr an der Börse, dadurch ist die wirtschaftliche Situation des Dienstes nicht mehr transparent
  • Elon Musk hat fast 80 Prozent der Belegschaft oder rund 8000 Mitarbeitende entlassen
  • Verifikations-Haken nur noch gegen Bezahlung
  • Keine "Zensur" der Aussagen auf X
"Wir haben ja eigentlich immer noch keinen guten Begriff dafür, was man jetzt macht auf der Plattform. Man tweetet ja jetzt nicht mehr. Aber was macht man denn eigentlich? Xt man?"
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin in Los Angeles

Mit der Übernahme hat Elon Musk auch angekündigt, dass ihm die freie Meinungsäußerung auf Twitter sehr wichtig und er gegen Zensur sei. Verschiedene Institutionen haben untersucht, wie sich X dadurch verändert hat. Hassrede und Propaganda haben seitdem deutlich zugenommen. Umstrittene Persönlichkeiten wie Donald Trump, der von Twitter früher wegen Falschinformationen gesperrt wurde, hat Elon Musk wieder zugelassen. Genauso wie Kanye West, der inzwischen als ausgewiesener Antisemit gilt und hochproblematische Verschwörungserzählungen gepostet hat, fasst Katharina Wilhelm zusammen.

Viel Raum für Hass und Hetze auf X

Nach Kritik hat Elon Musk zugesagt, gegen solche Äußerungen vorzugehen. Ein Algorithmus solle dafür sorgen, dass Hass und Hetze nicht mehr so stark in den Vordergrund gelangen und sich somit auch kein Geld damit verdienen lasse. "Aber Experten sagen, das lässt sich überhaupt nicht nachweisen", sagt Katharina Wilhelm. Außerdem hat Elon Musk sehr viele Content-Moderator*innen entlassen, die die Kommentare genau geprüft haben. "Man kann ja qualitativ gar nicht auf diese Tweets oder auf diese Postings so genau schauen, weil einfach das Personal gar nicht mehr da ist", so die Korrespondentin.

Ein großer Gewinn ist X für Elon Musk bislang nicht. Zwar sind die Geschäfte nicht mehr Transparent, aber er hat Mitte 2023 selbst mitgeteilt, dass die Werbeeinnahmen um 50 Prozent zurückgegangen seien. Expert*innen schätzen, dass X nur noch acht Milliarden wert ist, sagt Katharina Wilhelm.

Auch wenn die Plattform an Bedeutung verloren hat, ist sie nicht tot. Viele prominente Nutzer*innen und Journalist*innen hatten vor einem Jahr angekündigt, die Plattform zu verlassen. Doch einige sind dennoch geblieben. Alternativen zu der Plattform haben bislang nicht den durchschlagenden Erfolg gehabt wie Mastodon, Bluesky oder Threads vom Konkurrenten Meta. Während bei X die Nutzerzahlen zwar langsam, aber immer noch steigen.

"So richtig können wir uns von X noch nicht verabschieden."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin in Los Angeles

Noch verbleiben also viele auf der Plattform, obwohl Elon Musk X als sein Sprachrohr verwendet und seine Postings immer prominent angezeigt werden, sobald man die Plattform öffnet. Seine Äußerungen sind häufig problematisch, stark rechtskonservativ, er ist Anhänger der Republikaner, transfeindlich, obwohl seine eigene Tochter trans ist. Er verbreitet Verschwörungserzählungen und fällt durch fragwürdige Aktionen auf, wie eine Abstimmung über die Beendigung des Ukraine-Kriegs.

Problematische Machtkonzentration

"Elon Musk mischt sich nicht nur mit X, sondern auch mit seinen anderen Unternehmen stark in die Weltpolitik ein", sagt Katharina Wilhelm. Mit Starlink stellt er beispielsweise Internet bereit – auch in der Ukraine. Dadurch häuft er sehr viel Macht an. "Diese Machtkonzentration ist das eigentliche und ganz große Problem an der Person Elon Musk".

  • Moderatorin: Rahel Klein
  • Gesprächspartnerin: Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin in Los Angeles