Unerträgliche Postings bei Facebook und unter Nachrichten-Artikeln. Manche User kommentieren schon nicht mehr mit. Ein neues Plug-In soll das ändern: Mit striktem Qualitätsmanagement durch die Nutzer selbst.

Fiese Kommentare, die nichts mit der Sache zu tun haben, beleidigen, rumtrollen. Je nach Plattform ist das inzwischen Standard, und manche User beteiligen sich nicht mehr, weil sie es nicht mehr ertragen können. Manche Online-Redaktionen machen nichts, überlassen die Community sich selbst. Andere moderieren, löschen hier und da schon mal einen Kommentar und sperren die komplette Kommentierfunktion für bestimmte Themen.

Eine richtig gute Lösung für Kommentare, die die Bezeichnung "Meinung" oder "Äußerung zur Sache" eigentlich nicht verdient haben, gibt es bisher nicht. Das US-Startup "Civil" aus Portland hat jetzt aber eine vorgestellt, die vielversprechend klingt: Das Plug-In "Civil Comments". Zum Beispiel Nachrichtenseiten wie Spiegel Online können dieses Plug-In installieren, und das soll ihnen helfen, trollige von hochwertigen Kommentaren zu unterscheiden.

Erst bewerten, dann schreiben

Das Konzept: Bevor ein User einen Kommentar posten kann, soll er drei andere Kommentare hinsichtlich Qualität und Sachlichkeit bewerten. Diese Kommentare stammen aber nicht etwa aus der Diskussion, an der sich der User beteiligen will. Geht es um Flüchtlinge, kann es sein, dass Kommentare zum Thema Energiewende bewertet werden sollen.

Das System will so sachliche von Hass-Hetze-Schimpf-Kommentaren unterscheiden. Gut bewertete Kommentaren landen weiter oben, solche mit schlechten Wertungen weiter unten, oder sie verschwinden ganz.

Wer soll wegbleiben?

Die Wochenzeitschrift Willamette Week aus Portland hat das System als eine der ersten getestet. Ergebnis: Bei einem Stück, in dem es um Abtreibung geht, ein hochpolitisches Thema in den USA, waren die Kommentare relativ höflich. Die Zeitschrift musste aber feststellen, dass insgesamt 25 Prozent weniger Kommentare eingingen. Das Kommentieren macht jetzt mehr Arbeit als vorher.

25 Prozent weniger Kommentare - das könnte für andere Seiten eine Hürde sein, das System zu nutzen. Sie wollen schließlich keine User verlieren. Andererseits: Wenn Menschen die Seite wegen der Troll-Kommentare nicht mehr nutzen, muss sich der Anbieter entscheiden, welche Art von Usern nicht mehr wiederkommen sollen.