Auf dem Bau, Biergarten oder auf den Straßen sind Menschen, die dort arbeiten, der Sonne besonders ausgeliefert. Herkömmliche Sonnencremes sind für sie aber oft nicht geeignet: Sie brennen, sind zu glitschig oder nicht schweißfest. Ein Testverfahren soll Sonnencremes speziell auf ihre Nützlichkeit für Outdoor-Arbeitende überprüfen.

Hautkrebs war im Jahr 2020 die am häufigsten angezeigte Berufskrankheit in der Bauwirtschaft. Dabei sind vor allem die Stellen betroffen, die sich kaum unter Kleidung verstecken lassen: Hände, Nacken und das Gesicht. Herkömmliche Sonnencremes sind aber oft ungeeignet. Ein Wissenschaftsteam der Uni Osnabrück hat in einer Pilot-Studie untersucht, wie ein Testverfahren aussehen müsste, um herauszufinden, ob eine Sonnencreme auch während der Arbeit verwendet werden kann.

"Lichtschutzfaktor, Wasserfestigkeit und UV-A-Schutz reichen als Kategorien nicht, wenn man zum Beispiel Straßenbauarbeitern eine Sonnencreme empfehlen will. Da spielen noch andere Dinge eine Rolle, die werden aber bisher nicht erfasst."
Tina Howard, Deutschlandfunk Nova
Normalerweise werden Sonnencremes auf drei Standards überprüft, erklärt unsere Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Tina Howard. Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger eine Person in der Sonne bleiben kann, ohne zu verbrennen.

Außerdem wird angegeben, wie wasserfest eine Creme ist und der UV-A-Schutz gibt an, wie wirksam eine Creme gegen Hautschäden schützt. Diese Kategorien sagen aber noch nicht viel darüber aus, ob ein Mensch sich damit die Hände eincremen und dann mit festem Griff arbeiten kann - oder ob sie viel zu glitschig ist.

Neue Kategorien für Outdoor-Arbeitende

Das Forschungsteam hat deshalb nach anderen Kriterien gesucht, die für Outdoor-Arbeitende wichtig sein könnten. Darunter ist zum Beispiel, ob die Creme schnell einzieht, ob sie sich mit Textilien verträgt, ob der Griff auch nach dem Eincremen fest ist, ob sie in den Augen brennt, wie hautverträglich sie ist und ob die Haut nach dem Eincremen ganz weiß bleibt.
"Es geht vor allem erst einmal darum, eine Art Testverfahren zu etablieren und daraufhin die Packung mit einem Hinweis zu versehen, dass sich diese Sonnencreme besonders für Menschen eignet, die draußen arbeiten."
Tina Howard, Deutschlandfunk Nova

Getestet hat das Team die Sonnencremes allerdings nicht im Freien, sondern im Labor. Mit verschiedenen Tests: 24 Probanden mussten nach dem Eincremen beispielsweise auf den Stepper und richtig schön schwitzen oder wurden mit feinem Sand bestäubt und abgeklopft, um zu sehen, ob die Creme Schmutz anzieht. Bei einem Grifftest mussten die Probanden Holz- und Metallstangen in die Hand nehmen.

"Beim Griff fielen einige Sonnencremes durch. Drei galten sogar als besonders glitschig."
Tina Howard, Deutschlandfunk Nova

Die getestetn Cremes fielen bei den verschiedenen Tests nicht komplett durch. Doch gerade im Bereich "fester Griff" gab es nur eine einzige Creme, die die Probanden als geeignet einschätzten. Besonders lang anhaltend waren vor allem die sehr wasserfesten Produkte.

Mehr Tests notwendig, um Mindeststandard festzulegen

Das Forschungsteam meint aber auch: Tests mit 24 Probanden reichen nicht aus, um einen Mindeststandard für Sonnencremes speziell für Outdoor-Arbeitende zu entwickeln. In dieser Studie ging es vor allem darum, überhaupt erst einmal nach sinnvollen Kriterien zu suchen, die für Outdoor-Arbeitende bei einer Sonnencreme wichtig sein könnten.

Ziel ist es, ein Testverfahren zu entwickeln und in Zukunft Sonnencremes mit entsprechenden Hinweisen für Outdoor-Arbeitende zu markieren.