An Sonn- und Feiertagen herrscht Fahrverbot für Lkw-Fahrer. Sie müssen dann irgendwie die Zeit rumkriegen. Ein Besuch auf einem Rastplatz bei München.

An einem Sonntag versucht unser Reporter Julian Ignatowitsch auf einer Autobahnraststätte im Osten von München sein Glück. Er möchte herausfinden, wie Lkw-Fahrer ihre Zwangspause verbringen, wenn an Sonn- und Feiertagen Fahrverbot herrscht.

Das Wetter ist grau, der Regen nieselt vor sich hin. Ein Tag, den viele von uns lieber zu Hause auf der Couch verbringen würden, als an einer Raststätte im Ausland. Viele der Fahrer, die Julian auf der Raststätte sieht, kommen aus Rumänien, Bulgarien, Polen oder Italien. Und erst mal wimmeln alle unseren Reporter ab.

"Meine Vorurteile über LKW-Fahrer sind erstmal alle bestätigt worden: Unkommunikative, eigenbrötlerische Typen, harte Kerle, glatzköpfig, mit Tattoos."
Julian Ignatowisch, Deutschlandfunk Nova
Lkw-Fahrer grillen zusammen auf einem Rastplatz.
© imago | Ralph Lueger

Dann sieht Julian einen Fahrer, der sich auf einem Gaskocher Würstchen brät. Ein anderer sitzt im Führerhaus und sieht auf seinem Smartphone fern. Sie winken ihn zu sich.

So lernt unser Reporter die drei Ukrainer Michail, Andrej und Viktor kennen, die den Sonntag gemeinsam verbringen. Sie sitzen in Socken und Joggingklamotten bei Wodka, Bier und E-Zigaretten zusammen und unterhalten sich. Unter einer Schlafkoje befindet sich ein Kühlschrank. Darin befindet sich ein wenig Proviant, und er hält die Getränke immer schön kühl.

Lkw-Fahrer: Zwei Drittel der Zeit verbringen sie auf der Autobahn

Die drei Lkw-Fahrer erzählen, dass sie aus einem kleinen Dorf im Süden von Kiew kommen. Sie seien zwei Monate auf der Autobahn unterwegs und einen Monat zu Hause. Lkw-Fahrer Michail erzählt, dass früher auch seine Frau mit dabei war, die bleibt inzwischen daheim, um sich um die Kinder zu kümmern.

Auf deutschen Autobahnen sind die drei Ukrainer nicht so gerne unterwegs, wie in Frankreich oder Italien, wo es weniger Verkehr gibt. Duschen kostet dort auch nichts, im Gegensatz zu den Raststätten in Deutschland, wo es relativ teuer ist. 

Finanziell steht er als Lkw-Fahrer besser da

Lkw-Fahrer Michail sagt, dass er in der Ukraine früher als Schuhmacher gearbeitet hat. Seit fünf Jahren fahre er Lkw-Transporte und stehe jetzt, mit fast 2000 Euro Lohn im Monat, viel besser da. 

Dafür ist er acht Monate im Jahr von zu Hause weg. Für Michail ist die Zwangspause an Sonntagen eine willkommene Erholung nach den langen Strecken, die er am Stück zurücklegt. 

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