Das ungute Gefühl kennen wir alle, wenn wir etwas auf Facebook posten: Kann das irgendwann gegen mich verwendet werden? Französische Wissenschaftler haben jetzt eine Antwort parat: natürlich.

Facebook kann uns den Job kosten - und zwar noch bevor wir ihn überhaupt ergattert haben. Zu diesem Ergebnis kommen drei Wissenschaftler einer Pariser Universität, die der Frage nachgegangen sind, wie stark Arbeitgeber die Aktivitäten von Mitarbeitern und Bewerbern überwachen.

"Schon der schnelle Blick auf Facebook fördert Informationen zutage, die zu Ablehnung und Diskriminierung führen können."
Netzautor Andreas Noll

In dem konkreten Fall der Studie bedeutete das: Nur weil jemand in Marrakesch geboren war und Arabisch sprechen konnte, wurde er erst gar nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Und weil diese Informationen eben nicht in den Bewerbungsunterlagen verzeichnet waren, sondern nur auf Facebook standen, ist für die Forscher klar: Facebook-Profile zu scannen ist längst Standard in Bewerbungsverfahren.

Quelle der Diskriminierung

Und nicht nur das - Facebook ist auch eine Quelle für Diskriminierung. Denn die Qualifikationen der beiden Bewerber, die die Forscher konstruiert hatten, waren exakt identisch. Ein Unterschied - Geburtsort und Sprachkenntnisse - waren nur auf den Facebook-Profilen zu erkennen. Trotzdem wurde der vermeintliche Marokkaner mit dem nicht nach Einwanderungshintergrund klingenden Namen Stéphane Marcueil nur in 13 Prozent der Fälle zum Bewerbungsgespräch eingeladen, sein in Briva-la-Gaillarde (also in der tiefsten französischen Provinz) geborener Konkurrent kam auf 21 Prozent. Das ist ein Unterschied, den die Forscher signifikant nennen.

Design-Änderung weist Diskriminierung nach

Mit großer Wahrscheinlichkeit lässt sich dieses Ergebnis auf Facebook zurückführen. Denn noch im Verlauf des Versuches kam eine Design-Änderung von Facebook den Forschern ungeplant zu Hilfe. Bis dahin war der Geburtsort auf dem Facebook-Profil direkt auf der ersten Seite prominent zu erkennen. Dann wurde das Design von Facebook angepasst und der Geburtsort verschwand aus dem Blickfeld, erschien erst auf einer Unterseite. Diese Design-Änderung hatte Folgen: Der in Marrakesch geborene Franzose bekam ab diesem Zeitpunkt mehr Bewerbungsgespräche angeboten - so viele, dass am Ende kein Unterschied zu zweiten Bewerber mehr zu sehen war.

Das heißt: Personaler nutzen Facebook, aber nur recht oberflächlich, gucken nur schnell aufs Profil - das legen die Ergebnisse zumindest nahe. Aber schon dieser schnelle Blick fördert bisweilen Informationen zutage, die zu Ablehnung und Diskriminierungen führen können. Man sollte also lieber zweimal nachdenken, welche Details man auf Facebook verbreitet.

Kein Job wegen Facebook

Facebook wird also zu einem wichtigen Instrument bei der Jobsuche. Nach einer Studie aus den USA haben 2014 gut die Hälfte der Arbeitgeber bei der Überprüfung von Facebook-und- Co.-Profilen schon Inhalte gefunden, die dafür gesorgt haben, dass die Bewerber den Job nicht bekamen. 2013 lag die Quote noch bei 43 Prozent, 2012 bei 34 Prozent. Von den Arbeitgebern genannte Kriterien waren da natürlich nicht der Geburtsort, sondern unangemessene, provokative Fotos oder Infos - für 46 Prozent der Befragten nicht hinnehmbar. 41 Prozent der Arbeitgeber sortierten Bewerber aus, wenn es Hinweise auf Facebook gab, dass die Bewerber Drogen nehmen. Aber auch ein unprofessioneller Nutzername kann schon ein Ablehnungsgrund sein.