Jeder fängt mal klein an - auch die Ameise, vielmehr die Camponotus fellah. Ihre Laufbahn beginnt sie als Kindergärtnerin, dann steigt sie auf zur Putzfrau und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere wird sie Nahrungsbeschafferin.

Die Ameisenart Camponotus fellah bildet innerhalb ihrer Kolonie drei soziale Gruppen: Die erste Gruppe, das sind rund 40 Prozent der der Ameisen zu der auch die Königin gehört, kümmert sich um den Nachwuchs. Die zweite Gruppe besteht aus rund 30 Prozent der Ameisen. Sie sind als Raumpflegerinnen beschäftigt. Und die letzten 30 Prozent der Kolonie sind für die Nahrungsbeschaffung verantwortlich. Das haben Wissenschaftler der Universität Lausanne herausgefunden.

Klare Aufstiegschancen

Das interessante an den drei Gruppen ist, dass nicht eine Ameise ein Leben lang einer Gruppe zugeordnet ist, sondern im Verlauf ihrer Altersentwicklung bestimmten Gruppen angehört. Die Forscher haben herausgefunden, dass die erste Gruppe im Schnitt viel jünger ist, als Gruppe zwei und drei, dagegen sind die Ameisen in Gruppe drei durchschnittlich viel älter als in den beiden anderen Gruppen. Daraus ergibt sich quasi eine Karrierelaufbahn für die kleine Ameise: Erst Kindergärtnerin, dann Putzfrau und schließlich Nahrungsbeschafferin.

Ameisen-Big-Brother

Doch wie haben die Wissenschaftler das herausgefunden? Danielle Mersch von der Universität Lausanne und ihre Kollegen haben sechs Kolonien der Camponotus fellah in durchsichtige Behälter im Labor deponiert. Jede einzelne Ameise haben sie mit einem QR-Code beklebt. Über den Behältern haben die Wissenschaftler Kameras angebracht und 41 Tage lang Tag und Nacht das Leben der Ameisen gefilmt - eine Art Ameisen-Big-Brother.

"Auf diese Weise konnten die Forscher die Bewegungen aller Versuchstiere genau nachvollziehen, ihre Rollen definieren und auch dokumentieren, welche Ameisen wo und wie oft miteinander interagierten."
Mario Ludwig, Tierexperte

Die Kamera ist an einem Computer angeschlossen gewesen, der die schwarz-weißen Quick-Response-Codes in den Bildern ausgelesen hat. Am Ende haben die Wissenschaftler zwei Milliarden Positionspunkte und neun Millionen soziale Interaktionen zwischen den Ameisen registriert und ausgewertet.

Dabei haben die Forscher nicht nur herausgefunden, dass die Ameisen eine berufliche Karriere durchlaufen, sondern dass die verschiedenen Berufsgruppen unterschiedlich stark miteinander kommunizieren. Ameisen tauschen sich über Pheromone aus, die sie über ihre Fühler aussenden und aufnehmen. Sobald sich Ameisen mit den Fühlern berühren, tauschen sie Informationen aus. In den Aufnahmen erkennen die Forscher, dass Gruppe eins und Gruppe drei am meisten kommunizieren, die "mittelalten" Putzfrauen vergleichsweise wenig. Warum das so ist, konnten die Forscher noch nicht klären.

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