Hardcore-Abschalten geht so: Ganz locker und ruhig sitzen bleiben, dabei vor sich hin starren, 90 Minuten lang. Wer am entspanntesten ist, gewinnt.

Woops Yang aus Korea hat einen Wettbewerb erfunden. "Space Out" nennt sie ihn und dabei geht es darum, abzuschalten. Sie glaubt nämlich, dass wir alle viel zu beschäftigt sind und mehr Ruhe brauchen. Das betrifft sie selbst übrigens auch: 2014 hatte sie nämlich einen Burnout, weil sie zu viel gearbeitet hatte. Ihre Idee: Wer gemeinsam mit anderen zur Ruhe kommt, fühlt sich nicht so allein. Also machte sie aus dem Entspannen einen Wettstreit.

Schnell finden sich ein paar Freiwillige

Natürlich ist das Ganze auch eine Art Happening. Woops Yang nennt es sogar ein Kunstprojekt, wie sie der Süddeutschen Zeitung sagte. Unsere Reporterin Anna wollte das auch einmal ausprobieren. Im Park finden sich schnell Freiwillige, die gern mit Anna ins Leere starren, testweise - für 10 Minuten.

"Ich sitze im Schneidersitz. Die meisten anderen liegen und starren in den Himmel. Nach einer Minute lacht der Erste - fängt sich aber wieder. Streng genommen wäre er disqualifiziert."
Anna Kohn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Gedanken schweifen lassen – das kann hinderlich sein, wenn wir gerade in einem Bewerbungsgespräch sind. Es kann aber auch richtig nützlich sein: 2012 fanden Forscher in einer Studie heraus, dass wir tatsächlich besser darin sind, eine kreative Aufgabe zu lösen, wenn wir vorher unsere Gedanken herumwandern lassen.

"Ich entdecke Kleeblätter, verschieden große Grashalme, einen Rest von einem alten Blatt. Ich hoffe auf einen Käfer, sehe aber keinen. Entspannt fühle ich mich bis jetzt irgendwie gar nicht."
Anna Kohn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wenn der Kopf leer wird

Nach etwa acht Minuten ändert sich was: Das Gras verschwimmt langsam vor Annas Augen. Die Herbstsonne löst das Bild an den Rändern auf. Weil alles unscharf geworden ist, wird auch ihr Kopf ruhiger: "Ich vergesse fast, dass die anderen da sind."

Nach zehn Minuten ist die Testzeit um: Erleichterung bei den meisten, denn entspannend fanden sie Annas Experiment nicht. Bis auf zwei von ihnen: Einer ist eingeschlafen und fand das gut. Eine Freiwillige sagt: "Die Bäume sind gerade schön, da hatte man auch was zu gucken. Ich komme ganz gerne in den Park und hab meine Ruhe."

Anna sieht das ähnlich: Das Starren hat ihren Kopf angenehm leer gemacht, was nicht oft klappt. "Spacing Out" - das macht sie bestimmt noch mal. Dann aber lieber alleine, sagt sie.

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