In der "Glücklichen Auster" ist man gerade gar nicht glücklich - und das liegt an der geplanten Sperrstunde in Berlin: alle Kneipen und Bars müssen künftig um 23 Uhr schließen. Unfair sei das, findet Barbetreiber Mischa Jank.

Tür zu, Stühle hoch: In Berlin gilt ab dem 9. Oktober eine Sperrstunde. Von 23 bis 6 Uhr müssen Restaurants, Bars und die meisten Geschäfte schließen. Besonders sauer darüber sind die Bar- und Kneipenbesitzer - denn sie treffe das Verbot am meisten, sagen viele von ihnen. Dieser Meinung ist auch Mischa Jank. Er betreibt die "Glückliche Auster" in Berlin-Kreuzberg.

"Beschissen find ich das, kurz und knapp gesagt. Ich halte mich, so gut es geht, an alles. Kürzlich war hier auch eine Kontrolle – und wir sind hier gut dabei."
Mischa Jank, "Glückliche Auster" Berlin Kreuzberg

Wer in die Auster kommt, hat eine Maske auf, wer nicht zusammengehört, sitzt und trinkt auf Abstand. Alles Corona-konform sagt Mischa Jank. Er findet die neue Regelung deshalb einfach nur unfair. Wenn Bars sich nicht an die Spielregeln halten, sollten sie geschlossen werden. Nun würden aber einfach alle bestraft.

"Für die Bars, die sich dran halten, ist es halt völlig ungerecht."
Mischa Jank, "Glückliche Auster" Berlin Kreuzberg

Weil die Corona-Zahlen in Berlin rasant steigen, hat der Senat neue Maßnahmen wie die Sperrstunde beschlossen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, risktiert eine Strafe von bis zu 5000 Euro. Nur Apotheken und Tankstellen dürfen nach 23 Uhr noch offen bleiben. De facto treffe die Sperrstunde aber nur Kioske und Bars, meint Mischa Jank. Restaurants würde das nichts anhaben.

"Die Leute essen bis 22 oder 23 Uhr, danach kommen sie zu mir. Als Bar brauche ich gar nicht aufmachen, wenn ich ab 23 Uhr zu machen muss."
Mischa Jank, "Glückliche Auster" Berlin Kreuzberg

Wenn es keine finanzielle Hilfen gebe, sei die neue Sperrstunde ein "Genickbruch", sagt Mischa Jank. Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel, erklärt, dass Hilfen in irgendeiner Form geplant seien. Sein Bezirk hat momentan berlinweit die höchsten Infektionszahlen.

"Auf der einen Seite müssen wir Signale in die Stadtgesellschaft senden, dass es eben nicht normal ist, jetzt riesige Partys zu schmeißen oder feiern zu gehen. Auf der anderen Seite gibt es das wirtschaftliche Interesse der Gastronomie, von der diese Stadt auch lebt."
Martin Hikel, Bürgermeister Berlin Neukölln

Martin Hikel gibt zu: Wirtschaftlich trifft die Sperrstunde vor allem die Bars und Kneipen. Er sagt aber auch, die neuen Maßnahmen seien ein Signal an alle, sich wieder an die Regeln zu halten: "Es wird sich wieder umarmt, es wird wieder die Nähe zueinander gesucht im familiären Bereich aber auch im Freundeskreis. Und das ist im Kontext einer Pandemie wirklich gefährlich."

Damit die Sperrstunde und die Maßnahmen eingehalten werden, bedarf es aber auch einer konsequenten Kontrolle. Das sei überhaupt die größte Baustelle, meint Falko Liecke, Gesundheits-Stadtrat in Berlin-Neukölln, denn es fehle an Personal.

Falko Liecke, Gesundheits-Stadtrat in Berlin-Neukölln
"Wir haben in Neukölln pro Schicht gerade mal vier Autos auf der Straße, bei 330.000 Einwohnern ist das quasi ein Witz."

Ohne finanzielle Hilfe wird es schwierig für Bars

Ob es die "Glückliche Auster" in ein paar Monaten noch geben wird - Mischa Jank weiß es nicht. Zwar gilt die Sperrstunde vorerst nur bis Ende Oktober, doch er geht davon aus, dass sie verlängert wird. Mit der Zeit werde es immer schwieriger. Dabei gebe es Alkohol für diejenigen, die feiern möchten, doch weiterhin, etwa bei den Spätis.

"Was viel mehr Sinn gehabt hätte, wäre, den Spätis zu verbieten, nach 23 Uhr Alkohol zu verkaufen. Weil das sind die Jugendlichen, die sich den billigen Schrott kaufen und auf den Straßen rumhängen oder zuhause."
Mischa Jank, "Glückliche Auster" Berlin Kreuzberg

Mischa Jank hofft nun darauf, dass Gastronomen, wie schon im Juni, gegen die 23-Uhr-Regel klagen werden. Damals hatte das Berliner Verwaltungsgericht die Sperrstunde gekippt. Vielleicht kommt es dieses Mal wieder so. Die Begründung der Richter war: eine Sperrstunde ab 23 Uhr sei zu beliebig.

Unser Foto zeigt eine Bar in Berlin-Neukölln.