Kein Schnee, aber umso mehr Kritik. Die Olympischen Winterspiele in Peking bringen viele Menschen in einen Zwiespalt. Sollten wir die Spiele anschauen oder eher nicht? Über diese Frage diskutieren wir mit Alhassane Balde, der als Rennrollstuhlfahrer und schon mehrmals an den Paralympics teilgenommen hat.

Zum einen wird die Nachhaltigkeit dieser Spiele hinterfragt, denn dort, wo sie stattfinden, sind keine Winterregionen. Deswegen werden die Pisten mit Hilfe von riesigen Schneekanonen künstlich beschneit. Und auch wenn es um Menschenrechte geht, steht China immer wieder in der internationalen Kritik. Auf der anderen Seite stehen Sportler*innen, die lange für diese Wettkämpfe trainiert haben.

Alhassane Balde erklärt, dass die Sportler sich über Jahre auf die Wettkämpfe vorbereiten, um dann am Ende das große Ziel zu erreichen und bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Er selber ist zum Beispiel zuletzt bei den Paralympics in Tokio dabei gewesen.

2008 haben die Olympischen Sommerspiele in Peking stattgefunden. Damals hat der Rennrollstuhlfahrer ebenfalls an den Paralympics teilgenommen. Er erinnert sich, dass es auch 2008 viel Kritik an China gab. Seiner Meinung nach ist sie dieses Mal allerdings noch stärker.

"Ich glaube dieses Mal ist es noch viel kritischer."
Alhassane Balde, Rennrollstuhlfahrer

Er ist zwiegespalten in der Diskussion darum, ob wir die Spiele anschauen sollten oder nicht. Auf der einen Seite weiß er, dass Athleten sich lange vorbereiten. Für sie hänge viel davon ab, ob Sportveranstaltungen stattfinden oder nicht. Für viele Sportler*innen sei es der große Traum, ihr Können in einem Stadion vor 60.000 oder 80.000 Zuschauern zu zeigen. "Diese große Plattform zu haben und zu nutzen ist nicht jedem gewährt. Es ist etwas ganz Besonderes. Und ich glaube, es ist echt schwierig, wenn man das auf Dauer dann canceln würde“, sagt er.

2018: Alhassane Balde bei der Leichtathletik-WM
© picture alliance/dpa | Jens Büttner
Rennrollstuhlfahrer Alhassane Balde

Für viele Athleten gehe es dabei aber auch um Geld, denn je nachdem, an welchen Wettkämpfen sie teilnehmen und wie sie dabei abschneiden, bekommen sie staatliche Unterstützung, Sponsorengelder oder auch eine Anschluss-Förderung, erklärt Alhassane: "Und dann freut man sich natürlich, wenn es dann halt auch stattfindet."

Hinschauen und kritisieren

"Ich glaube nicht – wenn wir das jetzt nicht gucken –, dass sich da groß was verändert", Alhassane Balde glaubt, dass es mehr bringt, wenn wir die Olympischen Spiele schauen und gleichzeitig Kritik üben – sozusagen den Finger in die Wunde legen, wie er sagt.

"Auf der anderen Seite ist man natürlich auch nicht nur Athlet, sondern auch ein politischer Mensch. Und ich kann von mir nur sagen, ich finde es eine sehr schwierige Situation."
Alhassane Balde, Rennrollstuhlfahrer

Alhassane findet, dass das Problem auch ein Stück weit im System verankert ist. Die Sportler haben kein Mitspracherecht, wo Sportwettkämpfe ausgetragen werden. "Wenn man da mehr Gewicht hätte, könnte man sicherlich auch mehr versuchen, auf die Wünsche von uns Athleten einzugehen und vielleicht auch noch mal für Veränderungen zu sorgen", sagt er.

"Ich glaube, wir sind nicht richtig gut vertreten. Wir haben nicht so dieses große Mitspracherecht, wenn es darum geht, dass man Olympische Spiele, Paralympische Spiele vergibt."
Alhassane Balde, Rennrollstuhlfahrer