Mehr als 100 Spiele in drei Ländern: Die Fußball-WM ist ein Riesenevent und steht zugleich wegen ihres Gigantismus und der enormen Klimabelastung in der Kritik. Der Sportwissenschaftler Karim Abu-Omar spricht sogar von einem nötigen Boykott.

Rund neun Millionen Tonnen CO2-Ausstoß werden für die FIFA Fußball-WM der Männer prognostiziert, so Karim Abu-Omar, Sportwissenschaftler an der Uni Erlangen-Nürnberg. Etwa 80 Prozent davon würden auf Flugreisen von Spielern, Staff und Fans fallen. Zum Vergleich: Mali mit rund 20 Millionen Einwohnern verursacht jährlich etwa 3,5 Millionen Tonnen CO2 – und damit deutlich weniger als dieses Turnier.

"Die FIFA setzt mit dieser WM neue Negativmaßstäbe, das muss man schon klar sagen."
Karim Abu-Omar, Sportwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg

Im Vergleich zu anderen Sportgroßereignissen spiele die Fußball-WM beim CO2-Ausstoß oben mit. Auch Olympische Spiele hätten teils ähnliche Werte erreicht, vor allem durch den Bau neuer Sportstätten. Dennoch setze die FIFA mit dieser WM neue Negativmaßstäbe, sagt der Sportwissenschaftler.

Forderung nach kleineren Fußball-Turnieren

Positiv hervorzuheben sei zwar, dass in den USA die Stadien bereits stehen und auch nach der WM weiter genutzt werden. Doch insgesamt gleiche das die Bilanz nicht aus und sei mehr ein Klimafeigenblatt vor den horrenden CO2-Emissionen.

"Wie kommen wir da hin? Indem wir jetzt ausschalten, nicht zugucken und diese Events boykottieren."
Karim Abu-Omar, Sportwissenschaftler

Karim Abu-Omar fordert: Die Sportgroßereignisse müssen deutlich kleiner werden und die Reisen von Fans im Extremfall fast unterbunden werden. Statt immer größerer WM-Turniere mit perspektivisch 60 Fußballteams brauche es eher Formate wie eine WM mit 12 Mannschaften. Wie wir daherkommen? "Indem wir jetzt ausschalten, nicht zugucken und diese Events boykottieren", sagt er.

Daten zeigen sinkende Zuschauerzahlen

Umwelt und Klima waren – neben Menschenrechtsfragen – schon bei der WM 2022 in Katar ein Riesenthema, etwa durch den kompletten Neubau mehrerer Stadien. Insgesamt bleibt der Vorwurf bestehen, dass die Fußballwelt immer größer denkt. Und so schauen auch bei dieser WM vermutlich weltweit Milliarden Menschen wieder zu. Die Frage bleibt, ob dieser Trend irgendwann kippt?

"Auch wenn die Chance gering ist, ich glaube, wir haben die moralische Verantwortung nicht hinzugucken."
Karim Abu-Omar, Sportwissenschaftler

Daten aus Deutschland zu vergangenen Turnieren würden bereits sinkende Zuschauerzahlen zeigen, so der Sportwissenschaftler. Er rechnet damit, dass irgendwann ein Wendepunkt erreicht werde. Entscheidend sei, dass der Profifußball grundlegend verändert werde, weil der aktuelle Gigantismus langfristig nicht tragfähig sei.

Wenn der Planet immer heißer werde, trage auch der Sport Verantwortung umzudenken. "Auch wenn die Chance gering ist, wir haben die moralische Verantwortung nicht hinzugucken", so Karim.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Shownotes
Fußball-WM 2026
Sportwissenschaftler ruft zum Boykott auf
vom 16. Juni 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartner: 
Karim Abu-Omar, Sportwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg