Marie Luise Heimer hat einen komplizierten Jobtitel: Senior Label Relations Manager. Sie kümmert sich bei Spotify um Labels und Plattenfirmen und sorgt dafür, dass wir deren Musik streamen können. Im Interview erklärt sie, wie Spotify auf die Kritik an den neuen Datenschutzrichtlinien reagiert.

Bei Spotify kümmert sie sich um Kontakte zu Labels und Produktionsfirmen für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Nicht jeder Künstler möchte, dass seine Musik bei Spotify gestreamt wird. Beste Beispiele sind Taylor Swift und Prince. Beide haben entschieden, dass ihre Musik nicht mehr bei Spotify auftaucht. Trotzdem möchte das Unternehmen so viel Musik und so viele Künstler wie möglich streamen. Und genau darum kümmert sich Marie-Luise Heimer In Kontakt mit Labels, Produktionsfirmen, Bands und Künstlern.

"Natürlich wollen wir gerne alle Musik der Welt online haben"
Marie-Luise Heimer über die Ambitionen von Spotify

Der Altersdurchschnitt der Spotifyuser liegt bei Mitte 20. Das muss Marie-Luise Heimer bei der Auswahl der Künstler beachten: "Bei uns funktionieren ganz viele Künstler, die gar nicht in die Charts laufen", sagt sie. Darum ist sie viel unterwegs. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie mit Reisen: Sie schaut sich Bands an, trifft Verantwortliche von Labels. Den Rest der Zeit sitzt sie am Schreibtisch und bezwingt auch schon mal Exceltabellen.

Spotify setzt auf Musik und Inhalte von Radiosendern

Für Radiosender wie DRadio Wissen ist Spotify ein Konkurrent: Die Zielgruppen ähneln sich und es geht darum Hörer bzw. User an sich zu binden. Marie-Luise Heimer glaubt dennoch, dass Radiosender und Spotify sich in einer Sache stark unterscheiden: Spotify bietet keine eigenen Inhalte an, keine Nachrichten. Stattdessen greift Spotify auf die Inhalte von Radiosendern zurück. Zum Beispiel auf die Podcasts von DRadio Wissen, darunter Eine Stunde Liebe, Einhundert und Hörsaal. DRadio Wissen hat wiederum eine eigene Playlist bei Spotify.

Spotify und die Sache mit dem Datenschutz

In Sachen Datenschutz hat Spotify sich gerade ein Eigentor geschossen: Es hat seine User gefragt, bis zum 21. September neuen Datenschutzrichtlinien zuzustimmen. Der Plan: Spotify wollte bei seinen mobilen Nutzern auf Kontakte, Standorte und Fotos zugreifen. Wer macht was, wo und mit wem? Ein Nein wollte das Unternehmen nicht akzeptieren. Bei den Spotifyusern hat das zu viel Kritik geführt.

Marie-Luise sagt, dass Spotify seitdem viele Anfragen von Usern und Medien bekommen habe.

"Wir haben sicherlich einen Fehler gemacht und das falsch kommuniziert."
Marie-Luise über den Spotify-Datenschutz-Skandal

"Wir nehmen die Kritik bei Spotify sehr ernst", sagt Marie-Luise Heimer. Dazu gehört, dass Spotify sich bei seinen Usern entschuldigt hat und die neuen Datenschutz abgeschwächt hat. So werden die User zunächst gefragt, wenn Spotify auf deren Fotos, Kontakte oder den Standort zugreifen möchte.

Spotify möchte diese Informationen nutzen, um seine Playlisten noch besser an die Bedürfnisse der User anzupassen: So sollen die Playlisten noch besser an die Lebenssituation der Nutzer angepasst werden, wenn die zum Beispiel gerade unterwegs sind und surfen oder eine lange Radtour machen. Die User sollen aber selbst entscheiden, ob Spotify diese Daten nutzen darf und wer nein sagt, der könne Spotify natürlich in vollem Umfang weiternutzen, sagt Marie-Luise Heimer.