Es schien der entscheidende Schub für die Emanzipationsbewegung zu sein – vor 100 Jahre wurde das Wahlrecht für Frauen eingeführt. Es kam alles anders, es kam die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten – und mit ihr ein sehr rückschrittliches Frauenbild. Und auch in der jungen Bundesrepublik nahm der Kampf um Gleichberechtigung nur langsam Fahrt auf.  

Mitte des 19. Jahrhunderts: Frauen fangen an, sich in Vereinen zu organisieren, um sich mehr Rechte zu erkämpfen. Ihre Gegenwart wird von Männern dominiert. Frauen dürfen weder studieren, noch wichtige gesellschaftliche Aufgaben übernehmen - außer: Kinder bekommen, den Haushalt führen und ihren Ehemännern treu sorgende und liebevolle Ehefrauen sein. 

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts ändert sich das allmählich. Es dauert aber noch fast zwei Jahrzehnte, bis Ende 1918 das Wahlrecht für Frauen eingeführt wird. Eine Entscheidung, die der Emanzipationsbewegung der Frauen einen Schub gibt, der aber mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten jäh gestoppt wird. Dem "Führer ein Kind schenken" wird zur obersten Maxime, die mit hoher gesellschaftlicher Anerkennung und dem Mutterkreuz "belohnt" wird.

Kein eigenes Konto für Frauen

Auch in den Anfangsjahren der Bundesrepublik sind Frauen nicht gleichberechtigt. Ein eigenes Konto zu eröffnen, eine Arbeitsstelle anzunehmen oder auch nur den Führerschein zu machen – all das muss der Ehemann abnicken. Die große Wende: Die Studentenproteste in den 60er Jahren, die auch viele Frauen auf die Straße treiben. Es folgen die Debatten um den Paragrafen 218 oder in jüngster Zeit die Diskussionen um Frauenquoten in Parlamenten. 

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Kerstin Wolff von der Stiftung Archiv deutsche Frauenbewegung schildert die Wirkung, die das Frauenwahlrecht in der Weimarer Republik für die Emanzipation der Frauen hatte. 
  • Nicole Kramer forscht an der Goethe-Universität in Frankfurt über die Rolle der Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus.
  • Gesine Fuchs von der Hochschule Luzern hat sich wissenschaftlich mit der Gleichberechtigung von Frauen und Männern beschäftigt und dabei in manchen Bereichen Nachholbedarf für die Bundesrepublik festgestellt.
  • Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über die Lage der Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts.
  • Deutschlandfunk-Nova-Autorin Grit Eggerichs geht zurück zu den Anfängen der Frauenvereine, die sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter eingesetzt haben.