Unsere Sprache wandelt sich. Das ist nicht überraschend, sonst würden wir ja immer noch Althochdeutsch sprechen. Mit der Zuwanderung von Migranten beschleunigt sich der Sprachwandel.

Sprache dient der Verständigung. Ist sie zu kompliziert, fällt auch die Kommunikation schwer. Das führt zu Missverständnissen. Je mehr grammatikalische Informationen ein Satz enthält, desto schwerer kann es fallen, die eigentliche Botschaft zu entziffern. Eine Sprache ist ständig im Wandel - sie ist vom Zeitgeist geprägt und von denjenigen, die sie sprechen. In den letzten 50 Jahren prägten auch Einflüsse aus anderen Sprachen unsere Landessprache.

Weniger Grammatik = einfachere Kommunikation

In den letzten Jahrzehnten wurde die deutsche Sprache stark von der US-amerikanische Popkultur geprägt. Sei es das US-amerikanische Kino, die Musik oder auch weltweit vertriebene amerikanische Markenprodukte. Aber auch die Zuwanderungsbewegung in den 1950er-Jahren hatte ihren Einfluss auf die deutsche Sprache. In Schulen, Straßenbahnen und auch im Fernsehen hört man immer öfter, dass Kasusendungen abgeschliffen werden, Artikel und Präpositionen fehlen.

"Leute, die zwei, drei Sprachen im Kopf haben und die interagieren lassen, sehen natürlich, dass sie nicht überbelastet werden durch zu viele grammatikalische Zeichen."

Durch die aktuelle Zuwanderungsbewegung wird dieser Trend noch beschleunigt. Großen Einfluss hatten bisher das Englische und das Türkische. Hört man den Satz "Ich geh' Schule", kann man davon ausgehen, dass es eine direkte Übertragung des Türkischen Originals "okula gidiyorum" ist, erklärt der Sprachwissenschaftler Uwe Hinrichs. Demnächst werden sicherlich auch syrische und bulgarische Sprechgewohnheiten Einfluss auf das Deutsche nehmen.

"Durch die Zuwanderung werden Tendenzen verstärkt, die im Deutschen schon seit langem angelegt sind. Die sind dann plötzlich überall zu hören - das ist das eigentlich Neue.

Jan Böhmermann vom "ZDF Neo Magazin" hat diesen Trend der Deutschen Sprache mit seinem viel diskutierten Musikvideo "Ich hab Polizei" parodiert. Was anfänglich als schlechtes Deutsch kritisiert wurde, ist inzwischen zu einem Teil unseres Alltags geworden. Das sieht man auch an den Kommentarspalten in den Sozialen Medien - viele User schreiben genauso umgangssprachlich, wie sie sprechen: Die Sätze sind kurz und die Grammatik wird durch Weglassungen vereinfacht.