Im "Zweiten Bericht zur Lage der deutschen Sprache" kommt der Münsteraner Germanist Nils Bahlo zu dem Schluss, dass es um die deutsche Sprache gar nicht so schlecht steht, wie Sprachkritiker es manchmal sagen. Im Gegenteil. 

Das Vorurteil, die Zuwanderung schade der deutschen Sprache, stimmt nicht. Die Deutsche Sprache wird durch andere Sprachen sogar erweitert und aufgewertet, heißt es im Zweiten Bericht zur Lage der deutschen Sprache

Varietäten der deutschen Sprache sind normal

In dem Bericht wurden unter anderem Besonderheiten in der Aussprache wie "isch" statt "ich", das Weglassen von Präpositionen wie in "Gehen wir Freizeitpark?" oder bekräftigende Routineformeln wie "ich schwöre", untersucht. Ergebnis: Das alles sei typisch deutsch und keineswegs neu, sagt Nils Bahlo und er fragt: 

"Warum erfährt die Verschiebung des Artikulationsortes eine negative Bewertung, wenn sie aus dem Türkischen kommt, wie beispielsweise beim "ch" und "sch"? Türkische Menschen kennten das "ch" nicht."
Sprachwissenschaftler Nils Bahlo über die deutsche Sprache

Ähnliche Varietäten der deutschen Sprache gebe es aber auch in Dialekten, wie dem Pfälzischen. Da hingegen würde die Aussprache mit "sch" als selbstverständlich auf- und wahrgenommen. Und er fügt hinzu: Sprachwissenschaftler würden dieses Phänomen nie bewerten, sondern nur beschreiben. Die Bewertung übernehmen Sprachkritiker, sagt Nils Bahlo.

Weitere Erkenntnisse der Studie in Kurzform: 

  • Internetkommunikation wird als Ergänzung im Spektrum des Schreibens gesehen - an der Norm ausgerichtetes Schreiben werde dadurch nicht ersetzt. Das oft fehlerhafte Schreiben in Chats und Messenger-Diensten beeinträchtige das Schreiben anderer Textsorten bislang kaum.
  • Jugendsprache ist bislang nicht ausreichend dokumentiert und nicht einheitlich. Als auffälligste Eigenschaft gilt der Wortschatz. Damit wichen Jugendliche stark vom Standard ab, auch um sich abzugrenzen. Vieles ist aus dem Englischen abgeleitet - wie chillen, freakig oder abfucken.
  • Deutsch von Migranten weist Elemente auf, die in der mündlichen Kommunikation von deutschen Muttersprachlern bereits vorkamen. Deutsche Wörter werden verändert ausgesprochen, zum Beispiel wird "ich" zu "isch" oder "richtig" zu "rischtisch". Präpositionen lassen Jüngere dem Bericht zufolge eher im informellen Kontext weg, in der Schule aber kaum.

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