Nach zwei Jahren Coronapause oder zumindest pandemiebedingten Einschränkungen ist die Sehnsucht nach dem Reisen 2022 bei vielen Menschen wieder groß. Der Sommerurlaub steht vor der Tür – doch wegen des Kriegs in der Ukraine und dadurch verzögerten Lieferketten ist vieles teurer geworden, vor allem Sprit, Energie und Lebensmittel. Wir haben geschaut, wie sich all das aufs Reisen auswirkt.

Eine Flugreise ist im Sommer 2022 teurer als noch vor zwei Jahren. Das haben unter anderem die Chefs von Lufthansa und Air-France-KLM angekündigt. Die Preise für Kerosin sind stark gestiegen und viele Fluglinien geben das an die Reiseveranstalter oder direkt an uns als Kunden weiter.

Steigende Kerosinpreise landen bei Kunden

Am Beispiel von Lufthansa-Flügen hat der ADAC konkrete Zahlen zusammengestellt. Demnach steigen die Ticketpreise bei Langstreckenflügen um 20 bis 200 Euro, je nach Strecke und Klasse. Auf Flügen in der Economy Class innerhalb Europas sollen es laut ADAC pauschal zehn Euro sein.

An anderer Stelle wollte die Lufthansa diese Zahlen allerdings nicht bestätigen – es ist also noch nicht ganz klar, um wie viel teurer es letztendlich tatsächlich wird.

Preiserhöhung auch für Pauschalreisen möglich

Bis etwa drei Wochen vor Beginn der Reise dürfen Reiseveranstalter aufgrund gestiegener Beförderungskosten auch die Preise für Pauschalreisen noch erhöhen. Dafür muss natürlich ein entsprechender Abschnitt in den allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen. Das ist aber in der Regel der Fall. Man muss also das Kleingedruckte lesen.

"Wenn der Veranstalter den Preis einer Pauschalreise um mehr als acht Prozent erhöht, kann man kostenlos von der Reise zurücktreten."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Die Erhöhung muss den Reisenden schriftlich mitgeteilt werden und diese müssen die Erhöhung explizit akzeptieren. Außerdem darf es auch nicht einfach unendlich viel teurer werden: Wenn der Veranstalter den Preis um mehr als acht Prozent erhöht, kann man kostenlos von der Reise zurücktreten.

Die Gute Nachricht für alle, die schon gebucht haben: Vom Reiseveranstalter Tui gab es im März die Zusicherung, dass es – zumindest für den Sommer 2022 – keine Treibstoffzuschläge für bestehende Buchungen geben wird.

Alternative Airbnb?

Natürlich können wir uns auch einfach alles selbst organisieren und uns etwa ein Airbnb buchen. Doch auch das kann teurer werden – weil das Angebot insgesamt knapper geworden ist, unter anderem da durch Corona die Tourist*innen weggeblieben sind und Vermieter*innen ihre Wohnungen lieber wieder langfristig angeboten haben.

Aktuell wollen jetzt wieder mehr Leute verreisen, die Nachfrage steigt also und damit möglicherweise auch die Preise.

Ein ähnliches Problem gibt es bei Mietwagen: Während der Pandemie haben viele Anbieter ihre Flotten verkleinert – und jetzt sind eben zu wenig Fahrzeuge da und dementsprechend können die Preise anziehen.

Hotelpreise in Deutschland

Also einfach in Deutschland bleiben und Urlaub zum Beispiel auf Sylt machen? Zumindest was die Anfahrtskosten betrifft, kann das eine gute Idee sein. Das 9-Euro-Ticket ermöglicht es, diese Kosten massiv zu senken – wenn man bereit ist, mehrere Umstiege und ggf. volle Züge zu akzeptieren.

Grundsätzlich sind aber auch die Hotelpreise in beliebten Ferienregionen in Deutschland gestiegen – jedenfalls hat das das Vergleichsportal idealo.de ermittelt. Ob Bayern, Ostsee oder Nordsee: Überall seien die Preise höher als noch 2019, vor allem in Bayern. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband hatte auch vor dem Krieg in der Ukraine schon gewarnt, dass es teurer werden könnte – unter anderem wegen der Folgen der Corona-Krise.

In den Zielländern ist es meist günstiger als in Deutschland

Bei all den weniger erfreulichen Nachrichten gibt es aber auch gute: In den Zielländern selbst ist es nämlich oft immer noch deutlich günstiger als in Deutschland: Das Statistische Bundesamt hat das Preisniveau in Restaurants und Hotels verglichen. Ergebnis: In der Türkei oder auch in Portugal kommt man deutlich billiger weg als in Deutschland. Auch in Spanien ist es etwas günstiger.

In der Liste des Statistischen Bundesamts war lediglich das Preisniveau der Restaurants und Hotels auf den Seychellen noch teurer als in Deutschland. Es wurden aber auch nur 21 Länder untersucht, die Liste erhebt also keinen Anspruch auf Vollumfänglichkeit.