Zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto: In der Stadt stresst die Fortbewegung eigentlich immer. Ein Verkehrspsychologe erklärt, warum das so ist und warum das Auto bleiben wird.

Der Platz in den Innenstädten ist begrenzt. Seit einigen Jahren werden vielerorts die Interessen von Menschen, die nicht mit dem Auto fahren, stärker berücksichtigt. Ein Beispiel aus Hamburg: Bürgerinnen und Bürger hatten sich im Stadtteil Ottensen gewünscht, den Verkehr neu zu ordnen. CDU und Grüne haben sich mit Unterstützung der FDP darauf geeinigt, dass einige zentrale Straßen des Stadtteils nicht mehr mit Autos befahren werden dürfen – mit Ausnahme von Rettungsfahrzeugen, Handwerkern, Markthändlern, der Stadtreinigung und Lieferanten. Im September 2019 ist eine temporäre Fußgängerzone eingerichtet worden. Rund 160 Parkplätze wurden gestrichen.

In diese Zone dürfen Privatfahrzeuge und gewerblicher Verkehr zwischen 23 und 11 Uhr nur zum Be- und Entladen schwererer Waren einfahren. Mit dem Fahrrad darf der Bereich rücksichtsvoll und nur im Schritttempo befahren werden. Das Projekt heißt Ottensen macht Platz und läuft für ein halbes Jahr.

Bequemlichkeit als Bedürfnis

Allen Versuchen und Veränderungen zum Trotz, ist für den Verkehrspsychologen Michael Haeser das Auto das Hauptverkehrsmittel in Deutschland. Er weist darauf hin, dass auch Car-Sharing Autofahren bedeutet. Nur wirklich klimafreundlich-denkende Menschen würden sich völlig vom Auto verabschieden. Für ihn der wichtigste Grund: Bequemlichkeit. Hinzu komme das Bedürfnis nach einer gewissen plüschigen Atmosphäre.

"Der herkömmliche Jugendliche ist das Auto gewöhnt und möchte es auch nutzen, weil es eben bequem ist."
Michael Haeser, Verkehrspsychologe

Den friedlicheren Anschein, den beispielsweise der britische Verkehr in London erweckt, führt Michael Haeser auf die Geduld der Menschen in London zurück. Dort habe man eben gelernt, sich anzustellen. Außerdem sei der Linientakt sehr dicht.

ÖPNV: Gewinnorientierung als Problem

Hierzulande stürme jeder in den ankommenden Bus, jeder wolle sich noch hineindrängeln, das verzögere den Transport. Außerdem meint Michael Haeser, dass wir im öffentlichen Personenverkehr vielleicht eine viel bessere Infrastruktur hätten, wenn dort Gewinne in den Hintergrund träten.

Friedlicher werde es insgesamt, wenn Autofahrer lernen würden Rücksicht zu nehmen und außerhalb der Städte nach Parkplätzen zu suchen. Als Ideal nennt der Verkehrspsychologe den Umstieg aufs Fahrrad.

"Ach das wäre schön, wenn wir aufs Fahrrad umsteigen würden. Wir würden das Auto als das sehen, was es ist: wirklich ein Luxusinstrument."
Michael Haeser, Verkehrspsychologe