Auf Start-ups wird seit Jahren viel gesetzt. Deswegen möchte auch die Politik Start-ups besonders gut fördern, damit sie besonders schnell wachsen und Gewinn machen. Was ein Start-up aber genau ausmacht, ist nirgendwo wirklich festgehalten.

Start-ups liefern Essen, programmieren Software oder bauen auch mal Raumfahrtausrüstung. Sie entwickeln mittlerweile Angebote für fast jeden Bereich des Lebens. Laut dem Bundesverband Deutscher Start-ups gibt es knapp 10.000 von ihnen.

Aber was genau ist ein Start-up eigentlich? Start-ups gelten als moderne junge Unternehmen, deren Ideen so originell sind, dass sie schnell Erfolg haben und in kurzer Zeit groß rauskommen. Ähnlich erklärt es auch Franziska Teubert, die Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Start-ups. Eine rechtlich-bindende Definition darüber, was ein Start-up eigentlich genau ist, fehlt aber.

"Für uns aus Verbandssicht ist ein Start-up ein junges Unternehmen, das ein innovatives Geschäftsmodell hat und wachstumsorientiert ist."
Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Start-ups

Start-ups: undefiniertes Buzzword

"Bisher existiert keine allgemeingültige Definition dieses Begriffs, die eine klare Abgrenzung zu anderen an Vergabeverfahren beteiligten Unternehmen ermöglichen würde", hieß es vom Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums, Ulrich Nußbaum, auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Anna Christmann im September 2021. Sie wollte wissen, wie oft Start-ups bei öffentlichen Vergabeverfahren am Ende den Auftrag auch bekommen.

Denn: Die Bundesregierung hat sich auf die Fahne geschrieben, Start-ups mit ihren innovativen Ideen zu fördern. Als sie im März 2021 einen sogenannten Zukunftsfonds vorgestellt hat, sah Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Förderung von Start-ups als eine entscheidende Aufgabe für ihn an.

Die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf die Anfrage der Grünen-Abgeordneten zeigt aber auch, dass die Bundesregierung aktuell nicht weiß, wie viele Aufträge aus öffentlichen Geldern an Start-ups gehen. Denn: ohne Definition keine Abgrenzung zu anderen Unternehmen.

Ohne allgemeingültige Definition keine Klarheit

Für Start-ups kann die fehlende Definition dazu führen, dass nicht klar ist, welche Förderprogramme oder auch Gesetze relevant für sie sind, sagt Franziska Teubert. So könnten sie bei bestimmten Förderungen durch das Raster fallen und nicht berücksichtigt werden.

Im Bundeswirtschaftsministerium ist Thomas Jarzombek der Beauftragte für Start-ups. Er sieht sie als junge Unternehmen an, die eine innovative Idee oder auch Technologie haben und mit diesem Geschäftsmodell sehr schnell wachsen möchten.

Das Geld dafür kann von Investor*innen kommen oder Eigenkapital der Gründer*innen der Start-ups sein. Dieses sogenannte Wagniskapital wird vom Staat gestützt und die Start-ups müssen es in der Regel nicht zurückzahlen. "Businesspläne werden da nicht geprüft. Das ist ziemlich schlank und einfach gehalten", sagt Thomas Jarzombek.

Klingt gut? Dann schnell her mit der Förderung

Damit die innovative Idee schnell wachsen kann, gilt es offenbar, keine Zeit zu verlieren. Für Simon Aschemeier scheint das wie eine Wette auf die Zukunft. Er und seine Ehefrau Caro haben das Start-up Deutschfuchs gegründet. Sie sind ein sogenanntes Bootstrap-Start-up, weil sie ihr Start-up mit ihrem eigenen Geld gegründet haben.

Wenn ich mir Start-ups anschaue, die in der dritten und vierten Finanzierungsrunde sind, frage ich mich: 'Wird daraus irgendwann mal ein Geschäftsmodell, das auch nachhaltig ist oder ist das immer alles nur eine Wette in die Zukunft?"
Simon Aschemeier, Gründer des Start-ups Deutschfuchs

Aus seiner Sicht sollte ein Start-up nicht nur innovativ klingen, sondern auch nachhaltig sein – damit es das Unternehmen auch Jahre später noch gibt. Gerade wenn es durch staatliche Gelder mitfinanziert wurde. "Viele Start-ups erfinden Probleme, für die sie eine Lösung haben", sagt er.

Das heißt: Es ist unklar, ob es für die Innovationen der Start-ups auch wirklich eine Nachfrage gibt. Dementsprechend bleibt offen, ob aus diesen vielversprechend klingenden Start-ups später etablierte Unternehmen werden.

  • Moderatorin:  Steffi Orbach
  • Autor:  Felix Schledde, Deutschlandfunk Nova