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Erste Welle, zweite Welle, dann die Impfung als Hoffnung, jetzt Mutationen und die Arbeit auf Intensivstationen als Belastung. Der Mediziner Stefan Kluge gibt einen Überblick über die vergangenen zwölf Monate mit Covid-19.

Die Lungenkrankheit Covid-19 ist vor einem Jahr zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen worden. Der Mediziner Stefan Kluge vergleicht die vergangene Zeit mit einem Marathonlauf, dessen Ende nicht absehbar ist – immerhin mit der Impfung als Hoffnungsschimmer. Er leitet die Intensivmedizin der Universitätsklinik in Hamburg Eppendorf.

Der Mediziner begrüßt grundsätzlich die von einer Gruppe namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgeschlagene Null-Covid-Strategie - unter anderem sieht die eine schnelle Absenkung der Sieben-Tages-Inzidenz auf unter zehn durch Lockdown vor sowie die Einrichtung "grüner Zonen" mit mehr Freiheiten, wo dieses Ziel erreicht ist. Stefan Kluge bezweifelt aber, dass diese Strategie sich in Deutschland wegen der zahlreichen Außengrenzen wirklich werde durchsetzen lassen.

"Ich finde, Null-Covid hat schon seinen Charme. Ob wir es in Deutschland durchsetzen können, weiß ich nicht."

Auf die relative Entspannung im Sommer 2019 nach der ersten fürchterlichen Welle von Infektionen, sei dann die zweite Welle gefolgt. "Von der hat wirklich keiner gedacht sagt, dass sie so hoch ausfallen wird", sagt der Mediziner.

Mutationen als Problem

Momentan befinden sich immer noch ungefähr 5000 Covid-19- Intensivpatienten auf den Intensivstationen (Stand 27.01.2021). Das sind deutlich mehr, als bei der ersten Welle mit 2900. Besonderes Augenmerk sei nun auf die Mutationen von Sars-Cov-2 zu richten.

"Jetzt stehen die Mutationen vor der Tür. Also wir erleben eigentlich jede Woche neue Überraschungen. Das Virus ist unberechenbar."

Er nennt die folgenden drei Varianten: die zuerst in Großbritannien aufgetretene B.1.1.7, die zuerst in Südafrika aufgetretene B.1.351 und die zuerst in Brasilien aufgetretene Form von Sar-Cov-2 P1.

"Jetzt haben wir doch Daten, dass die südafrikanische Virus-Mutation wahrscheinlich zu einem schwereren Verlauf führt."

Weiterhin sollten die folgenden Zahlen beobachtet werden:

  • Infektionen
  • 7-Tage-Inzidenz
  • Intensivbehandelte
  • Todesfälle

Stefan Kluge lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit im Gesundheitswesen, das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, seien an der Belastungsgrenze. Hauptthema seien die Arbeitsbedingungen und besonders die Personaluntergrenzen für Menschen in den Pflegeberufen .

Belastung für Mitarbeitende

Belastend sie die relativ starke Isolation der Mitarbeitenden, besonders auf Stationen, die auch von Angehörigen nicht besucht werden dürfen. Stefan Kluge beschreibt den Versuch, hier mit intensiver Kommunikation und gegebenenfalls auch psychologischer Unterstützung gegenzusteuern.

"Die Mitarbeiter sind natürlich sehr belastet. Je länger dieser Marathon läuft, der ja kein klares Ende hat, das ist das Problem, desto schwieriger wird es."