In Filmen und Serien lernen wir sie als "zarte Lotusblüte" oder "kühle Dragonlady" kennen: Ostasiatische Frauen sind in Medien und Kultur hypersexualisiert und gleichzeitig unterrepräsentiert, sagt Journalistin und Moderatorin Nhi Le.

Nhi Le beschäftigt sie für ihre Kolumne "The Female Gaze" auf jetzt.de aus einer medienkulturellen und persönlichen Perspektive damit, wie Serien und Filme unsere Wahrnehmung auf das Frausein beeinflussen.

Sie sagt: Das Bild der ostasiatischen Frau ist in den Medien im Wesentlichen auf zwei Stereotype reduziert: die "Lotusblüte" und die "Dragonlady". Beide sind hypersexualisiert: Die eine ist dabei die Unterwürfige, die andere die Manipulative.

"Lotusblüte" oder "Dragonlady"

Als Beispiel der Dragonlady nennt Nhi Le besonders die anfänglichen Rollen der US-amerikanischen Schauspielerin Lucy Liu, die taiwanesische Wurzeln hat. Egal ob in der Serie "Ally McBeal" oder dem Blockbuster "Kill Bill": Lucy Lius Filmcharaktere aus den Produktionen der 1990er-Jahre bis in die frühen 2000er, zeigen eine asiatisch aussehende Frau, die emotionslos, aber streng ist und Männer mit ihrem sexuellen Charme gefügig macht, erklärt die Journalistin.

Der Gegenentwurf zur Dragonlady ist das Klischee der ostasiatischen Frau als Lotusblüte. Sie ist zart, passiv und unterwürfig, so Nhi Le. Durch die hypersexualisierte Abbildung beider Stereotype werde die ostasiatische Frau als reines Sexobjekt des Mannes dargestellt.

"Beide Formen sind so hypersexualisiert, um eben zu zeigen: Die ostasiatische Frau existiert nur in Relation zum Mann. Nach dem Motto: Eigene Bedürfnisse, eigene Wünsche hat sie nicht."
Nhi Le, Journalistin und Kolumnistin von "The Female Gaze"

Stereotype wie diese machen sie wütend und sorgen bei ihr für Frustrationen. Denn Nhi Le erlebt die Folgen der übersexualisierten, klischeehaften Abbildung ostasiatischer Frauen selbst regelmäßig in ihrem Alltag. Ähnlich wie viele andere betroffene Frauen projizieren Fremde die Darstellung der "Lotusblüte" auf sie, sagt sie.

Als Reaktion auf ihre Kolumne haben viele betroffene Frauen ihre Erfahrungen mit Nhi Le geteilt. Die Frauen haben ihr berichtet, wie sie von Partnern als "exotische Trophäe" betrachte werden oder ihnen unterstellt werde, sie seien "eingekaufte Frauen", wenn sie mit ihrem weißen Vater als Tochter einer asiatischen Mutter unterwegs sind, berichtet die Journalistin. Geschichten wie diese seien für sie herzzerreißend und nervenaufreibend.

Stereotype Filmrollen für People of Color

Mittlerweile bemerkt Nhi Le eine Veränderung der Repräsentation ostasiatischer Frauen in den Medien – auch wenn diese langsam geschehe und weiterhin von einer Unterrepräsentation geprägt sei.

Aktuelle Filmrollen von Sandra Oh in "Killing Eve" oder Constance Wu in "Fresh Off the Boat" und "Hustlers" zeigen Schauspielerinnen in Produktionen, die ohne Stereotype auskommen, erklärt sie. Ähnlich verhält es sich mit Filmen wie "The Farewell" von der chinesisch-amerikanischen Drehbuchautorin und Regisseurin Lulu Wang, dessen Cast ebenfalls aus chinesisch-amerikanischen Schauspielenden besteht.

"Absolute Klischeekiste"

"Das war schon mal erfrischend zu sehen, ist aber leider immer noch eher die Ausnahme", erklärt die Kolumnistin. Als präsentes Gegenbeispiel nennt sie den zweiten Film von J.K. Rowlings Harry-Potter-Spin-Off "Phantastische Tierwesen". Hier spielt die koreanische Schauspielerin Claudia Kim die Rolle der Nagini. Nagini ist Voldemorts Diener und erst eine Frau, der, als sie zur Schlange wird, der Kopf abgeschlagen wird.

"Das ist natürlich ziemlich bitter, wenn man das sieht. Es ist einfach ein Griff in die absolute Klischeekiste", sagt Nhi Le. Gleichzeitig ist sie sich bewusst, wie komplex die Entscheidung sein könne, sich als Person of Color für oder gegen einen Film zu entscheiden, wenn das Rollenangebot gering ist. Gerade Schauspielerinnen marginalisierter Communitys, die ihre Filmkarriere erst starten, können dann vor einer großen Herausforderung stehen, fügt sie hinzu.

"Es wird viel darüber gestritten: Hat Lucy Liu jetzt für Repräsentation gesorgt oder hat sie einfach nur Stereotypenschaden angerichtet?"
Nhi Le, Journalistin und Kolumnistin von "The Female Gaze"

Im Verlauf ihrer Karriere hat Lucy Liu beispielsweise die Seite gewechselt und erzählt als Regisseurin hinter der Kamera öfter Geschichten aus ihrer Perspektive.