Sebastian Koch stottert. In seinem Podcast "Ppppodcast" will er flüssig- und stotternd Sprechende zusammenbringen – aufklären und Mut machen.

Humor hat er! Auf die Frage, wie sein Podcast geschrieben wird, antwortet Sebastian Koch: "In der offiziellen Schreibweise sind es vier "p" – wenn ich es spreche, sind es ein paar mehr."

Der 28-Jährige stottert. Das hat ihn in seinen Augen zu einer nachsichtigen Person gemacht. "Da ich selbst so eine offensichtliche Schwäche habe", sagt er, "fällt es mir vielleicht leichter, über Schwächen von anderen hinwegzusehen".

Kommunikation zwischen stotternden und flüssig sprechenden Menschen

In seinem Projekt "Ppppodcast" spricht er mit meist flüssig sprechenden Menschen, und geht diverse Themen durch. Direkt die erste Folge hatte es in sich. Dort wurde besprochen, wie es dem jeweils anderen dabei geht, wenn man sich mit Stotternden unterhält. Unter anderem hieß es, dass es unglaublich schwer sei, Stotterern zuzuhören und sie aussprechen zu lassen.

"Dass es schwerfällt, sich mit Stotterern zu unterhalten, hat meine Befürchtungen bestätigt – überrascht hat es mich nicht."
Sebastian Koch, macht den Podcast Ppppodcast

Dass sein gegenüber das so offen ausgesprochen hat, freut ihn aber. Sebastian Koch deutet das als Zeichen des Respekts. Bei dem Gespräch habe er viel gelernt, beispielsweise auch, dass es Flüssigsprechende unter Druck setze, sich mit Stotternden zu unterhalten. Und dass teilweise auch Schuldgefühle eine Rolle spielen.

Stotternde nicht aussprechen zu lassen, ist eine Form der Entmündigung

Der 28-Jährige weiß von sich selbst, dass er in Stresssituationen mehr Blockaden hat und dadurch stärker stottert. In einer entspannten Atmosphäre sei es bei ihm schon ganz anders, sagt er.

Das schlimmste, was im Gespräch mit anderen aber passieren könne, sei, wenn Flüssigsprechende die Sätze der Stotternden vervollständigen. Das erhöhe immens den Druck, sagt Sebastian Koch.

"Ich hab das Gefühl, das ist lieb gemeint. Man setzt den Stotternden aber noch viel stärker unter Druck, weil man ihm das Gefühl gibt, der Gesprächspartner hat nicht so viel Geduld."
Sebastian Koch übers Stottern

Er empfindet das Vervollständigen der Sätze auch als eine Form von Entmündigung für den Stotternden. "Der Stotternde ist schon in der Lage zu sprechen und auch das zu sagen, was er zu sagen hat. Er braucht da im Normalfall nicht die Hilfe von Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern."

Stottern kann auch positive Aspekte haben

In einer anderen Podcastfolge hat er – wie er sagt – zum ersten Mal über die positiven Aspekte nachgedacht. Das sei sehr interessant gewesen, weil ihm da klar geworden sei, dass er sein Stottern ab und zu dazu nutzt (gerade in Situationen, wo er mit Ironie antworten will), um darüber nachzudenken, ob er seinen Satz auch genauso sagen will.

In seinen Podcasts schneidet Sebastian Koch die gröbsten Stotterer raus. Dabei gehe es nicht darum, zu verfälschen, sondern er möchte es den Zuhörenden etwas angenehmer machen, die Folge anzuhören, sagt er.

"Bei mir ist es so, dass ich extreme und extrem harte Blockaden versuche etwas abzuschwächen. Es soll aber immer noch klar sein, dass ich selbst ziemlich extrem stottere."
Sebastian Koch übers Stottern