"Mist! Zu schnell gefahren", muss sich auch schon Alexander Gütermann gedacht haben. Ganze drei Mark kostete 1895 die Ordnungswidrigkeit in Waldkirch.

Innerorts galten 1895 noch 6 Kilometer pro Stunde. Doch Alexander Gütermann ist damals mit seinem "Benz-Motor-Pferd", einem sogenannten Riemenwagen, schneller gefahren als die Polizei erlaubt. Am hellen Nachmittag wurde er "geblitzt", vielmehr beobachtet, wie er gegen 14 Uhr so schnell durch Waldkirch im Breisgau raste, dass die Vorhänge in der Wirtschaft geflattert hätten. Unverschämtheit! Ganze 3 Mark hat das Alexander Gütermann gekostet. Dank Facebook bleibt seine Ordnungswidrigkeit so frisch wie an jenem 15. Mai 1895.

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Hat die Urururenkelin Carla Mauersberg noch etwas zu seiner Verteidigung vorzubringen? Nichts. Ganz im Gegenteil, Carla berichtet, dass sich in den Unterlagen sogar noch Mahnungen wegen mehrfacher erhöhter Geschwindigkeit befinden. Erst als er zum wiederholten Mal gegen das Tempolimit verstieß, wurde das Bußgeld erhoben. Alexander Gütermann war offenbar ein Raser.

"Ich habe noch nicht so lange meinen Führerschein, bin noch jung und von daher auch noch recht brav."
Carla Mauersberg, Urururenkelin von Alexander Gütermann

Ihr Urururgroßvater war wohl ein leidenschaftlicher Autofahrer und einer der ersten Autobesitzer überhaupt. Als Chef des Traditionsunternehmens Gütermann, das Nähgarne und Zwirne herstellt, konnte er sich das leisten. Das Benz-Motor-Pferd befindet sich inzwischen im PS.Speicher, sagt Carla. Es fahre aber immer noch tadellos. Erst im vergangenen Jahr wäre es bei einem Traditionsrennen von London nach Brighton gestartet.

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