Dein Chef nimmt dir alle Aufgaben weg und du weißt nicht, wie du den Tag herumbringen sollst. Keiner spricht mit dir - nur hinter deinem Rücken wird getuschelt. Straining nennt das der Psychologe Harald Ege.

Wer gemobbt wird, kann sich dagegen wehren und seine Kollegen oder seinen Chef anzeigen. Mobbing heißt, täglichen oder wöchentlichen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Dagegen handelt es sich bei Straining meist nur um eine oder wenige Aktionen, die aber den Betroffenen permanent unter Stress setzen, sagt Harald Ege. Weil diese Aktion nicht unter die Mobbingdefinition fällt, haben die Betroffenen keine Handhabe.

Kaltgestellt

Der Gerichtsgutachter und -psychologe hat seine Erfahrungen mit Straining in einem Buch zusammengefasst. Ziel von Straining sei meist, die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter los zu werden, weil der Chef zum Beispiel gerne jemand Jüngeres einstellen möchte. Die Personalleitung steckt also meist aktiv hinter dem Straining.

"Wenn ein Arbeitnehmer mehr als sechs Monate unter permanenten Stress gesetzt wird, dann gehen wir von Straining aus."
Harald Ege, Gerichtsgutachter und -psychologe

Im Gegensatz zu Deutschland können Opfer in Italien rechtlich gegen Straining vorgehen, das inzwischen verbreiteter als Mobbing ist, sagt Harald Ege. Das Opfer wird regelrecht kaltgestellt, der Strainer weist ihm keine Aufgaben mehr zu, wird nicht mehr informiert, wird bei Entscheidungen übergangen, Arbeitsmittel werden entzogen - um nur Beispiele zu nennen. Diese einmalige Aktion benachteiligt den Betroffenen in seiner täglichen Arbeit. Langfristig führt das zur Isolation, die bei den Betroffenen Stress auslöst. Chronische psychosomatische Erkrankungen sind die Folge.

Straining kommt aus dem Englischen und leitet sich von "to strain" - "jemanden erdrücken, unter Stress setzen" ab. Straining bedeutet, jemand wird dauerhaft unter Stress gesetzt, weil er seine Aufgaben oder seine Position im Unternehmen verliert.

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