Traurig, aber wahr: Autofahrer verstoßen häufiger gegen Verkehrsregeln als Autofahrerinnen. Das zeigt die Statistik des Kraftfahrtbundesamts. Wir haben nach den Gründen gesucht.

Autofahrer verstoßen im Vergleich zu Autofahrerinnen überdurchschnittlich häufig gegen Verkehrsregeln. Das zeigen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes, die das Unternehmen Statista detailliert ausgewertet hat. So gehen fast vier von fünf Verstößen gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf das Konto von Männern.

Ähnlich sieht es beim Unterschreiten des Sicherheitsabstands aus. Bei Alkohol am Steuer sind es sogar in 87 Prozent der Fälle Männer. Auch mit 82 Prozent bei den Fahrverboten liegen Männer deutlich vor den Frauen. Ein Hinweis: Nicht-binäre Menschen weist diese Statistik nicht aus.

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Michael Bogus, Verkehrspsychologe beim TÜV Nord, sagt, bei der Medizinisch-Psychologische Untersuchung - auch als Idiotentest bekannt - sei das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen noch krasser. Nur 2 Prozent der Autofahrerinnen landen bei ihm.

"In meiner persönlichen Statistik, die ich seit gut 30 Jahren führe, bewegt sich das im Bereich von 2 Prozent Frauen. Also es sind weit überwiegend Männer."
Michael Bogus, TÜV Nord, Verkehrspsychologe

Ein Grund ist wohl, dass Männer mehr Kilometer und schneller fahren. Die PS-Stärke ihrer Autos scheint ihnen wichtig zu sein. Außerdem werden viele Verkehrsdelikte von Menschen verübt, die beruflich unterwegs sind. Darunter sind ebenfalls mehr Männer, die am Steuer sitzen. Das erhöhte Stress- und Aggressionslevel bei Männern spiele da eine große Rolle, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner.

Geblockte Aggression

"Aggression ist zunächst mal nur eine eine Aktivitätsenergie", erklärt Michael Bogus. Ohne ein gewisses Maß an Aggression, würden wir morgens noch nicht mal aufstehen, sagt er. Aber: Wenn die fließende Aggression blockiert werden, zum Beispiel im Stau, dem wir ohnmächtig ausgeliefert sind, dann führe das zu negativen inneren Impulsen. Diese suchen sich dann ein Ventil in Form von negativem Verhalten im Straßenverkehr.

Rollenmuster im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr zeigten sich alte Rollen- und Verhaltensmuster, die über Generationen gewachsen sind und wohl beim Autofahren immer noch gelten. Für Männer sei das Auto immer noch ein Vehikel, über das sie sich identifizieren - mehr als Frauen.

"Wir haben es mit einem der letzten Gebiete zu tun, wo sich alte Rollenmuster und Verhaltensmuster, die über Generationen gewachsen sind, offenbar noch halten."
Michael Bogus, TÜV Nord, Verkehrspsychologe

Beim Thema Alkohol am Steuer nähern sich die Zahlen von Männern und Frauen an, sagt Michael Bogus. Er hofft, dass es in Zukunft weniger Verkehrsdelikte gibt, wenn die Technik das Steuer übernimmt. Jeder Computer fahre sicherer als ein Mann, meint er.