In Mecklenburg-Vorpommern laufen mehr als 560 Nandus frei durch die Gegend. Eigentlich war die Population der eineinhalb Meter großen Laufvögel erfolgreich eingedämmt. Jetzt haben sie sich doch weiter vermehrt.

Eigentlich leben Nandus in Südamerika. Sie gehören zu der Gruppe der Laufvögel, denn Nandus können nicht fliegen. Im Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe scheinen sich die Straußenvögel allerdings ziemlich wohl zu fühlen.

Am Anfang waren es acht

Sie sind die Nachkommen einer Gruppe Nandus, die 1999 aus einer Straußenfarm im schleswig-holsteinischen Groß-Grönau geflohen sind. Damals waren es acht Stück. Heute rennen und grasen dort über 560 Nandus durch die Gegend.

Dass die Nandus sich ausgerechnet in Norddeutschland so wohl fühlen, liegt am regionalen Klima, sagt die Dezernentin des Biosphärenreservates Bettina Gebhard: "Es gibt auch in Südamerika Regionen, die klimatisch ähnlich sind. Und wenn es eben nicht so kalte Winter mit langen Frostperioden gibt, dann kommen die einfach durch."

Nandus sorgen für Schäden auf den Feldern

Viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind inzwischen richtige Nandu-Fans geworden. Denn die Laufvögel ziehen auch Touristen an. Nicht zu den Nandu-Fans gehören die Landwirte. Denn die großen Laufvögel stehen besonders auf Raps, Rüben und Weizen und sorgen so für erhebliche Schäden auf den Feldern - und sie sind häufig in großen Gruppen von bis zu 70 Tieren unterwegs.

"Die Nandus bewegen sich in sehr großen Trupps. Wir haben teilweise 60-70 Tiere auf einem Ackerschlag. Und sie haben eine sehr hohe Standorttreue."
Bettina Gebhard, Dezernentin für Naturschutz und Entwicklung im Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe

Wenn die Nandus erst mal einen Acker für sich entdeckt haben, dann bleiben sie da und lassen sich nur schwer wieder vertreiben. Versuche, die Nandus mit Elektrozäunen von den Feldern fernzuhalten, sind bisher gescheitert. Zudem sind die Ackerschläge in Mecklenburg-Vorpommern sehr groß. Das heißt, es ist einfach sehr teuer, die komplette Fläche zu umzäunen.

Probleme bei der Populationskontrolle

Um die Zahl der Nandus zu reduzieren, hatte man bereits versucht, die Population durch Bestandskontrolle einzuschränken. Durch das Anbohren von Nandueiern und das Behandeln mit Paraffin wurde versucht, den Nandu-Nachwuchs zu dezimieren. Dazu musste eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung eingeholt werden.

Im letzten Jahr hatte diese Geburtenkontrolle sehr gut funktioniert, sagt Bettina Gebhard. In diesem Jahr haben sich die Nandus trotz der Maßnahmen stark vermehrt.

"Im letzten Jahr hatten wir nur 33 Jungvögel. In diesem Jahr 294."
Bettina Gebhard, Dezernentin für Naturschutz und Entwicklung im Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe

Dass die Geburtenkontrolle in diesem Jahr nicht geklappt hat, könnte an den hohen Temperaturen und dem trockenen Sommer liegen, vermutet Bettina Gebhard. Das seien gute Startbedingungen für die Jungnandus gewesen.

Jetzt muss entschieden werden, wie in Zukunft dafür gesorgt werden kann, dass die Nandu-Population nicht weiter explodiert. Zunächst steht eine Auswertung der bisherigen Maßnahmen an. Dann muss überlegt werden, ob sie fortgeführt werden oder ob es noch andere Möglichkeiten gibt, die Zahl der Nandus unter Berücksichtigung der Artenschutzbestimmungen durchzuführen. 

Nandu gilt inzwischen als heimische Art

Der Nandu gilt inzwischen als in Deutschland heimische Art, weil er sich in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten hat. Und er steht nach § 7 des Bundesnaturschutzgesetztes unter besonderem Artenschutz. Das heißt, sie dürfen nicht einfach abgeschossen werden.

Die Tiere einzufangen, ist nicht so leicht. Denn wohin mit den Nandus? Schließlich müssten weit über 500 Tiere in Gehegen untergebracht werden.

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