Er saugt schon unsere Wohnung, mäht den Rasen: Da ist er noch nett zu uns. Aber es gibt auch Roboter, die töten können. Völlig eigenständig. Seit Montag (27. August 2018) beraten Regierungsvertreter aus aller Welt in Genf, ob solche autonomen Waffensysteme beschränkt oder verboten werden sollten. 

Autonome Waffensysteme, das klingt erst einmal nach Hightech. Dabei zählt dazu schon eine simple Landmine. Weil kein Mensch mehr etwas dazu beitragen muss, damit sie in die Luft geht, erklärt Christian Thiels, Verteidigungsexperte der Tagesschau. In Genf geht es allerdings um computergesteuerte Systeme, die eigenständig Entscheidungen treffen können. Ein umstrittenes Thema, weil kein Mensch entscheidet, ob der Auslöser gedrückt wird oder nicht. 

Halt – oder der Roboter schießt

Zurzeit sind außer in Experimentalphasen so gut wie keine solcher autonomen Waffensysteme im Einsatz, sagt der Militärexperte. Die Firma Samsung hat einen Wachroboter entwickelt, der selbstständig entscheiden soll, ob auf dem Feld, das er zu bewachen hat, ein Tier oder ein Mensch vorbei läuft. Wenn er einen Menschen identifiziert, kann er ihn per Lautsprecher auffordern, stehen zu bleiben. Wenn das ohne Folgen bleibt, kann der Roboter auch selbstständig schießen.  

Bei solchen Einsätzen stellt sich natürlich die Frage: Ist es sinnvoll, einer Maschine eine Entscheidung zu überlassen, die vielleicht bei einem Menschen besser aufgehoben wäre? Weil der eben auch Grautöne wahrnehmen kann – zum Beispiel, wenn ein Betrunkener versehentlich über den Zaun eines militärischen Geländes geklettert ist.  

"Die Befürworter autonomer Waffensysteme haben viele Argumente, die sie vorbringen. Ob sie aber am Ende die sehr stark moralischen Argumente, die es auf der anderen Seite gibt, aufwiegen können, das können wir jetzt noch nicht beurteilen."
Christian Thiels, Verteidigungsexperte der Tagesschau

Die Befürworter autonomer Waffensysteme sehen viele Vorteile: Die Systeme seien präziser, schneller und würden nie müde. Außerdem treffe ein Computer Entscheidungen völlig emotionslos und lasse sich nicht ablenken. Und all das helfe dabei, das Völkerrecht einzuhalten und Kollateralschäden zu vermeiden, wie es im Militärdeutsch heißt. Außerdem seien autonome Waffensysteme günstiger und gefährdeten weniger Soldaten.     

Es wird wohl kein Verbot geben

Christian Thiels rechnet damit, dass Deutschlands Haltung in der aktuellen Diskussion weder Fisch noch Fleisch sein dürfte. Der bisherige Standpunkt: Solche Waffensysteme sollten zwar geächtet werden, zu einem Verbot hat sich die Bundesregierung aber nicht durchringen können. Offenbar setze die Große Koalition eher auf nicht bindende, weiche Maßnahmen. Auch, weil niemand genau wisse, in welche Richtung sich die Technologie entwickele. Besonders brisant: Genau so argumentieren auch Befürworter autonomer Waffensysteme. Ihr Tenor: Lasst uns abwarten, ob diese Systeme nicht auch ein paar Vorteile für die Zivilbevölkerung bringen. 

"Was technisch möglich ist und was nicht endgültig für alle verboten ist, wird erfahrungsgemäß auch entwickelt und eingesetzt."
Christian Thiels, Verteidigungsexperte der Tagesschau

Viele große Player, wie die USA, Großbritannien, Russland oder Israel, sind zurzeit noch sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, autonome Waffensysteme grundsätzlich zu verbieten. Und darum geht Christian Thiels davon aus: Solange sich diese Militärmächte nicht festlegen, wird es kein Verbot geben. Trotzdem appelliert Christian Thiels: Wenn weiter an autonomen Waffen geforscht wird, brauchen wir enge Grenzen und scharfe Kontrollen. Andernfalls fürchtet der Verteidigungsexperte Horrorszenarien, die wir sonst nur aus Science-Fiction-Filmen kennen. Gerade, weil solche Waffensysteme anfällig für Hackerangriffe oder Ähnliches sind.