Wie man vom Stricken wirklich leben kann, fiel Bernd Kestler in Japan ein. Dort unterrichtet er und verkauft landesweit Stricksets. Er strickt wo er kann. Besonders wenn er mit dem Motorrad unterwegs ist.

Nach dem Studium zog es ihn nach Japan. Dort unterrichtet er heute Stricken. Eigentlich hatte seine Schwester immer für ihn gestrickt. Bis ihr erster Freund dazwischen kam. Seit damals muss er selber ran. Bernd Kestler kam von den Nadeln nicht mehr los. Nach seiner ersten eigenen Strickweste kamen später olivgrüne Socken für seine Kameraden von der Bundeswehr.

Sensei heißt einfach nur Lehrer

Bernd Kestler ist immer noch total begeistert vom Stricken. Seine Kurse und Workshops sind verglichen mit den üblichen japanischen Angeboten eher locker. Skurril findet er manchmal, wie ehrfürchtig seine Teilnehmer mit ihm umgehen. Er ist eben ihr Sensei – ein Lehrer und dadurch auch Autorität. Er möchte den Leuten aber einfach nur zeigen, wie Stricken funktioniert, ganz unverkrampft und witzig. Das kommt gut an.

Vor einer Weile hatte er in Deutschland einen Bericht über Zug-Socking (Stricken im Zug) gesehen. Und weil er viel mit seinem Motorrad unterwegs ist, nannte er seine Strickergebnisse schlicht Bike-Socking. Dann kam er noch auf die Idee, die Nummern der Landstraßen zur Strickvorlage zu machen - also die Anzahl der Maschen und Reihen von den Zahlen abzuleiten. Das ist seine Strickschrift, sagt er.

Vielleicht wird es in ein paar Jahren auch in Japan Strick-Hippster geben und vielleicht fahren sie Motorrad.

"Am Anfang war es relativ schwierig, mittlerweile kann ich davon leben."
Bernd Kestler, Strick-Sensei in Japan