Cannabis schadet dem Sexualleben nicht, sagen Mediziner der Stanford University in Kalifornien. Das ist ein Ergebnis einer neuen großen Langzeitstudie.

Mediziner der Stanford University School of Medicine in Kalifornien haben in einer Langzeitstudie die Gesundheit von rund 50.000 Menschen untersucht. Sie beziehen sich konkret auf Marihuana und Haschisch und sagen: An unseren Ergebnissen lässt sich sogar ablesen, dass Kiffer 20 Prozent mehr Sex haben als Nicht-Kiffer.

Kiffer 20 Prozent mehr Sex haben als Nicht-Kiffer

Die Mediziner ziehen aus ihren Ergebnissen allerdings nicht den Rückschluss, dass Kiffen oder mehr Kiffen automatisch zu mehr Sex führt. Sie haben lediglich festgestellt, dass in der untersuchten Gruppe - gut 28.000 Frauen und 22.000 Männer zwischen 25 und 45 Jahren - die regelmäßigen Cannabiskonsumenten im Schnitt mehr Sex hatten. 

"Die Cannabiskonsumenten hatten im Schnitt mehr Sex. Womit das zu tun hat, wissen die Forscher noch nicht."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk Nova

In der Studie wurden die Frauen und Männer über einen Zeitraum von 13 Jahren hinweg immer wieder nach vielen unterschiedlichen Gesundheitsdaten befragt. Darunter auch: Wie viel Sex hatten Sie im letzten Monat? Und wie oft konsumieren Sie zum Beispiel Marihuana? 

Bei den Frauen war es so: Diejenigen, die kein Marihuana genommen haben, hatten nach eigenen Aussagen sechs Mal Sex in vier Wochen. Frauen, die täglich kifften, hatten im Schnitt gut sieben Mal Sex. Bei Männern war es so, dass Nicht-Kiffer durchschnittlich etwas weniger Sex als Frauen hatten, nämlich gut fünfeinhalb Mal. Laut Studie hatten tägliche Kiffer auch knapp sieben Mal Sex.

"Die Wissenschaftler raten deshalb auch nicht, mit dem Kiffen anzufangen, wenn man seine Lust steigern will."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk Nova

Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Typsache der Grund sein könnte. Wer offensiver mit Drogen umgeht, ist vielleicht auch offensiver im Bett. 

Interessant ist in dem Zusammenhang auch eine Studie von 2012 über Frauen, die Pornofilme schauen. Ergebnis: Bekiffte Frauen waren angeregter. Den Autoren zufolge kann das aber auch daran liegen, dass Cannabis den Moment intensiver wahrnehmen lässt und Gefühle verstärken kann.

Andere Studien sehen eher eine sexhemmende Wirkung von Cannabis

Eine andere Untersuchung vom Ottawa Hospital in Kanada hatte im Zusammenhang mit Cannabis mal Männer untersucht und festgestellt: Selbst wenn Cannabis im Kopf stimuliert hatte, hatten die Kiffer eher Probleme mit einer Erektion. 

Psychologen der University at Albany weisen darauf hin, dass Inhaltsstoffe wie THC nicht nur für einen trockenen Mund, sondern auch für eine trockene Scheide sorgen können, was für mehr oder besseren Sex eher hinderlich sein könnte. 

Die aktuelle Stanfordstudie stellt fest, dass von den 50.000 Befragten die Kiffer am meisten Sex hatten - nach eigenen Angaben. Dass das Kiffen mehr Geschlechtsverkehr ermöglicht, ist damit allerdings noch lange nicht bewiesen.