Eine Studie der Arizona State University kommt zu dem Ergebnis, dass Männer sich für schlauer halten als Frauen. Reporterin Rebekka Endler hat sich auf die Suche nach den Wurzeln der männlichen Selbstüberschätzung gemacht. 

Wenn wir uns die tatsächlichen Bildungsabschlüsse anschauen, dann liegen Frauen vor den Männern. Seit Jahren. Aber wenn es um die Einschätzung der eigenen Intelligenz geht, dann liegen die Männer ganz weit vorne.

Rebekka: "Hallo, kurze Frage: Wie schlau bist du?" Typ: "Zu schlau für dich!"
Frage und Antwort bei einer Straßenumfrage

Stefan Hirschauer, Professor für Soziologie und Genderdifferenzen, versucht eine Erklärung: "Das Phänomen, um das es hier geht, heißt Selbstüberschätzung. Das ist etwas, dass man von den Männern kennt. Dann kann man auch sagen, ja gut, dann ist das auch etwas, was im Paarungsverhalten gewisse Erfolge zeigt." Also mal wieder die Evolution. Der Stärkere und Dreistere - und von sich selbst Überzeugte gewinnt.

Umgekehrt heißt es aber auch: Wenn Männer sich selbst überschätzen und damit weiter kommen, dann könnte das auch daran liegen, dass Frauen - zumindest einige - auf Aufschneider stehen.

"Das ist dieser besondere, unangenehme Charme von Männern, dass sie sich überschätzen und damit bei Frauen Erfolge landen."
Stefan Hirschauer, Professor für Soziologie und Genderdifferenzen

Reporterin Rebekka Endler fühlt sich jetzt ein bisschen schuldig. Hat sie am Ende selbst mit ihrer pubertären Bewunderung für die besonders lauten, frechen und selbstsicheren Jungs dazu beigetragen, unangenehme Selbstüberschätzer aus ihren zu machen?

Eine andere Erklärung bietet der Dunning-Kruger-Effekt: Der besagt, je dümmer ein Mensch ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er sich selbst für klug hält. Etwa 150 Jahre früher hat Charles Darwin schon das gleiche beobachtet: "Unwissenheit erzeugt viel häufiger Selbstvertrauen als Wissen." Stefan Hirschauer gefällt diese Erklärung nicht so richtig. Seiner Meinung nach ist die Selbstüberschätzung eine Art mit Unsicherheiten umzugehen - vor allem in Konkurrenzsituationen.

"Platt gesagt: Angeber kommen in Konkurrenzsituationen weiter, als Tiefstapler."
Stefan Hirschauer, Professor für Soziologie und Genderdifferenzen

Und das ist etwas, dass können viele Männer wesentlich besser als Frauen. Denn die neigen eher dazu sich in Konkurrenzsituationen zu unterschätzen und vom Acker zu machen, anstatt es darauf ankommen zu lassen. Stefan Hirschauer sagt, dass es aber auch bei Frauen Selbstüberschätzung gibt. Zum Beispiel, wenn sie sich selbst als das moralischere Geschlecht bezeichnen und schnell die Opferposition annehmen.

"Es ist ein Vorteil, diese weibliche Selbstüberschätzung, wenn es um moralische Diskurse geht. Denken sie an die Metoo-Debatte. Frauen empfehlen sich sozusagen, aufgrund dieser Selbstbeschreibung, für eine Opferposition."
Stefan Hirschauer, Professor für Soziologie und Genderdifferenzen

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