Digital Detox gilt in der Regel als vorbildlich. Nun zeigt eine Studie aus den USA, der Verzicht aufs Digitale hat nicht nur Vorteile. Oder anders ausgedrückt: Wer aufs Smartphone verzichtet, wird dadurch nicht unbedingt glücklicher.

Digital Detox hat messbar negative Effekte

Um herauszufinden, wie sich Handyverzicht auf Menschen auswirkt, hat das Psychologenteam der University of California eine Probandengruppe beauftragt, ihre Smartphones eine Woche nicht zu nutzen. Eine andere Gruppe sollte auf Social Media verzichten. Das Ergebnis: Weder das allgemeine Wohlbefinden der Proband*innen noch so etwas wie depressive Neigungen haben sich gebessert.

Wer digitale Medien nutzt, ist genauso unglücklich oder glücklich wie jemand, der Kartoffeln isst. Will heißen: Die Nutzung oder Nicht-Nutzung hat keine messbaren Auswirkungen aufs Wohlbefinden.
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auf der anderen Seite habe das Verzichten ganz klar negative Begleiterscheinungen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt. Eine war die Fear of missing out, also die Angst, etwas zu verpassen. Und das wiederum habe zu Stress geführt.

Die Angst, etwas zu verpassen oder ausgeschlossen zu sein

Eine ähnliche Erfahrung hat auch Christian gemacht, der in der Deutschlandfunk-Nova-Sendung Ab 21 von seinem Selbstversuch berichtet, aufs Smartphone zu verzichten. Er löschte all seine Social-Media-Apps von seinem Handy und nutzte das Smartphone nur noch zum Telefonieren und Internetsurfen. Anfangs, sagt er, ging es ihm damit besser, bis auch ihn schließlich die Fear of missing out einholte.

Das ging so weit, dass er fürchtete, nicht mehr zu wissen, was in der Welt passiert. Bis dahin hatte er sich nämlich über Twitter informiert. Die Lösung, die Christian schließlich für sich gefunden hat, ist soziale Medien bewusster zu konsumieren. Dafür hat er "gnadenlos aussortiert".

Christian
"Ich habe vor allem die Accounts gelöscht, die mich nicht glücklich gemacht haben, also solche auf denen Menschen nur angeben. Das Entfolgen hat dann auch wirklich geholfen, dass ich mich besser fühle."

Weniger belastend, aber auch herausfordernd: achtsame Social-Media-Nutzung

In diesem Sinne rät auch Psychologin und Neurowissenschaftlerin Maren Urner Menschen, die ihr Handy viel nutzen, das Handy nicht komplett zu verbannen, sondern es achtsamer zu nutzen. Dabei komme es natürlich darauf an, ehrlich mit sich selbst zu sein.

"Eine Idee ist, bei der Handynutzung immer wieder innezuhalten und sich zu fragen: Was konsumiere ich da und möchte ich das wirklich?"
Maren Urner, Psychologin und Neurowissenschaftlerin

Was man in dem Fall – genauso wie beim kompletten Verzicht – gewinnt, ist Zeit. Dass mehr Zeit positiv sei, sahen übrigens sowohl die Proband*innen in Kalifornien so also auch Christian.

Damit scheint die Geheimformel also zu sein: Mehr bewusste Handynutzung führt zu mehr Input, der einem guttut. Als Nebeneffekt haben wir mehr Zeit. Und all das muss vielleicht nicht gleich wunschlos glücklich machen, aber doch ganz schön zufrieden.