Ein Grund für die sehr unterschiedlichen Verläufe der Covid-19-Erkrankung könnte die Blutgruppe der Betroffenen sein – so das vorläufige Ergebnis einer Untersuchung von deutschen und norwegischen Forschern. Es gebe Hinweise, dass die Blutgruppe A das Risiko eines schweren Krankheitverlaufs deutlich erhöhen könnte.

Das neuartige Corona-Virus gibt Forschern und Medizinern viele Rätsel auf. Eine der großen Fragen ist, warum die Infektion bei vielen Menschen relativ milde verläuft, während andere schwer erkranken, teilweise beatmet werden müssen und manchmal auch sterben. Faktoren, wie beispielsweise das Alter oder bestimmte Vorerkrankungen, die den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können, reichen als Erklärung alleine nicht aus. Jetzt gibt es Hinweise, dass auch die verschiedenen Blutgruppen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben könnten - so zumindest das vorläufige Ergebnis einer Studie von deutschen und norwegischen Forschern.

Blutgruppe A könnte das Risiko erhöhen

Die Forschenden haben für ihre Studie das Erbgut von 1610 Patienten aus Italien und Spanien untersucht, bei denen die Krankheit schwer verlaufen ist und mit einer Gruppe von 2205 zufällig ausgewählter Menschen verglichen. Die Untersuchung habe Hinweise geliefert, dass die Blutgruppe A das Risiko einer schweren Erkrankung deutlich erhöhen könnte - und zwar um rund 50 Prozent, fasst der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide die Ergebnisse zusammen. Bei Menschen mit der Blutgruppe 0 scheint das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf dagegen besonders niedrig.

"Es gibt Hinweise, dass bei Menschen mit Blutgruppe A das Risiko für einen schweren Verlauf um rund 50 Prozent deutlich erhöht ist. Bei Menschen mit Blutgruppe 0 ist das Risiko dagegen besonders niedrig."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Zunächst seien das aber vor allem statistische Werte. Sie würden nicht bedeuten, dass alle Menschen mit der Blutgruppe A schwer erkranken würden, sagt Martin Winkelheide. Die Studie sage nur, dass bei der Blutgruppe ein höheres Risiko bestehen könnte. Außerdem handele es sich bei der Studie um eine sogenannte Pre-Print-Studie – also eine vorläufige Fassung, die noch nicht von anderen Forschenden gesichtet, kritisiert und bewertet worden sei. Die Studie liefere zunächst nur spannende Hinweise für Folgeuntersuchungen.

Blutgruppe als Faktor – viele Erklärungen denkbar

Genaue Erklärungen für die Ergebnisse hätten die Forschenden bisher keine, so Martin. Grundsätzlich aber gebe die Blutgruppe Auskunft darüber, wie die körpereigene Abwehr – also das Immunsystem – funktioniere. Menschen mit verschiedenen Blutgruppen würden Krankheitserreger – Viren, Bakterien oder auch Parasiten - unterschiedlich gut erkennen und bekämpfen. Vereinfacht ausgedrückt sei es möglich, dass das Abwehrsystem von Menschen mit Blutgruppe A das neuartige Coronavirus schlechter erkenne als das Immunsystem von Menschen mit Blutgruppe 0. Das müssten sich Forschende jetzt genauer anschauen.

"Einfach gesagt: Es könnte sein, dass das Abwehrsystem von Menschen mit Blutgruppe A das Coronavirus schlechter erkennt als das Immunsystem von Menschen mit Blutgruppe 0."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Denkbar sei aber auch, dass andere Faktoren eine viel wichtigere Rolle spielen, sagt Martin. Beispielsweise: Wie heftig reagiert der Körper auf eine Entzündung oder wie gut funktioniert die Blutgerinnung? Menschen mit der Blutgruppe A haben eine bessere Blutgerinnung und Wundheilung als andere. Inzwischen ist auch bekannt, dass das neuartige Coronavirus die Blutgerinnung anregt. Beide Faktoren zusammen könnten dazu führen, dass sich bei Menschen mit der Blutgruppe A viele kleine Blutgerinnsel bilden, sagt der Wissenschaftsjournalist. Diese könnten kleine Gefäße verstopfen und so zum Beispiel die Lunge schädigen. Auch das sei ein Aspekt, den es näher zu untersuchen gelte.

Blutgruppe spielt auch bei anderen Krankheiten eine Rolle

Auch bei anderen Krankheiten könne die Blutgruppe Einfluss auf ihren Verlauf nehmen. Das bekannteste Beispiel sei Malaria, hier hätten Menschen mit der Blutgruppe 0 Vorteile, sagt Martin. Da Malaria besonders für Kinder gefährlich sei, hätten Kinder mit Blutgruppe 0 oft höhere Chancen, die Infektion zu überleben. Forschende vermuten, dass durch die weitläufigen Verbreitung der Malaria in Afrika auch die Blutgruppe 0 in der Bevölkerung dominanter sei. Dafür seien Menschen mit Blutgruppe 0 häufig anfälliger für bestimmte Magen-Darm-Erreger, die Durchfall verursachen können. Es gebe also nicht nur Vorteile, Blutgruppe 0 zu haben, so Martin.

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Bei der Pest, die in verschiedenen Jahrhunderten immer wieder über Europa hinweg gerollt ist und viele Todesopfer forderte, hätten wiederum Menschen mit Blutgruppe A, B und AB Überlebensvorteile gehabt. Dagegen bestehe bei ihnen aber ein erhöhtes statistisches Risiko beispielsweise für Herz-Kreislauferkrankungen und bestimmte Demenzen. Dabei sei die Blutgruppenzugehörigkeit aber immer nur ein Faktor von vielen und nie der einzig entscheidende, betont Martin.