Wer Abi hat, geht studieren. Das scheint eine Faustformel zu sein. Aber warum? Viele, die ihr Studium dann doch abbrechen, starten eine Ausbildung - und werden damit glücklich. 

Christian ist 20 Jahre alt und kann jetzt endlich abends wieder gut einschlafen. Da ist nichts mehr, was ihm noch im Nacken sitzt, woran er noch denkt oder was er eigentlich noch machen muss. Christian hat aufgehört zu studieren. Nach drei Semestern Wirtschaftsinformatik hatte er eine kleine Krise, fiel in ein Loch, guckte zu viel Netflix. Dann raffte er sich wieder auf und fing mit einer Ausbildung an; zum Rolladen- und Sonnenschutz Mechatroniker. Jetzt weiß er abends, was er geschafft hat - die Dinge sind abgeschlossen - und Christian ist zufrieden.  

"Man kommt abends nach Hause und weiß, was man geschafft hat. Heute habe ich zwei Tore montiert und kann mich entspannt ins Bett legen."
Christian Still, 20 Jahre, Azubi

Fast ein Drittel aller Studierenden bricht das Studium in der Frühphase ab. 43 Prozent davon entscheiden sich für eine Ausbildung, und viele davon werden damit total glücklich - so wie Christian. Da fragt man sich: Warum denken offenbar die meisten, dass sie nach dem Abi auf die Uni müssen? 

Betriebe stellen Studienabbrecher gerne als Azubis ein

Überfüllten Hörsälen stehen nämlich tausende unbesetzte Lehrstellen gegenüber - fast 50.000 in Deutschland im vergangenen Jahr. Und die Betriebe freuen sich über gut ausgebildete Azubis. Auch Studienabbrecher sind sehr willkommen, weil sie nicht mehr so jung sind und schon auf eigenen Beinen stehen.  

"Der Vorteil ist, dass der Mensch schon mehr oder weniger geformt ist und sich selbst organisieren kann. Da muss man nicht von unten anfangen."
André Urban, Geschäftsführer und Inhaber von Rolladen Handel Porz

Bei der Handwerkskammer zu Köln glaubt man, dass die Beratung in den Schulen oft zu akademisch abläuft. Vermutet wird, dass zu wenig Alternativen aufgezeigt werden und deshalb für so viele nur ein Studium nach dem Abi in Frage kommt.

Orientierungshilfen für Studienabbrecher

Die hohen Abbruchquoten bei Studierenden sind schon länger ein bekanntes Problem. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat deshalb bereits 2014 das Programm Jobstarter Plus ins Leben gerufen, bei dem unter anderem Studienabbrecher bundesweit dabei unterstützt werden, in eine Ausbildung zu wechseln. Auch bietet das Ministerium eine eigene Info-Seite für Studienabbrecher an, die in Sachen Ausbildung Orientierung bieten soll und bei der Suche nach Unterstützungsangeboten vor Ort hilft.

Option: Studium nach Ausbildung

Und nach einer Ausbildung kann man ja immer noch an eine Hochschule. Für Christian zum Beispiel ist das mit dem Studium noch gar nicht ganz durch. Er hat jetzt erst einmal seine Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzt, was wegen des Abiturs geht, danach will er seinen Meister machen und im Anschluss kann er sich auch ein Studium noch mal vorstellen.  

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