Im Sudan gab es am Montag (25. Oktober 2021) einen Militärputsch. Bis 2019 hatte Omar al-Baschir das nordafrikanische Land 30 fast Jahre lang diktatorisch regiert. Dann übernahm eine Übergangsregierung. Jetzt ist das Militär an der Macht.

Der Putsch gegen die Übergangsregierung im Sudan begann am Montagmorgen: Der Ministerpräsident Abdalla Hamdok wurde vom Militär festgenommen und nach Angaben von Unterstützern an einen unbekannten Ort verschleppt. Auch andere Regierungsmitglieder, die nicht zum Militär gehören, sowie Parteiführer und Journalisten sind festgenommen worden. Außerdem waren Internet, Handy- und Festnetz lahmgelegt.

Die Übergangsregierung, die nach dem Sturz al-Baschirs den Sudan führte, sollte ein bis zwei Jahre im Amt bleiben – bis zu einer demokratischen Wahl. Das war zumindest der Plan.

Die Erfahrung zeigt allerdings: Das Militär bleibt in vielen Ländern, in denen es Wahlen vorbereitet, an der Macht, sagt Ann-Kathrin Horn aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion. Das liege daran, dass sich das Militär im Vorfeld durch viele Sitze im Parlament Einfluss sichert.

Streit in der Übergangsregierung

Immer wieder hatte es Auseinandersetzungen in der Übergangsregierung gegeben. Zu dieser Regierung gehörten sowohl zivile Gruppen als auch Personen aus dem Militär. Zuletzt streiteten die Gruppen zum Beispiel darüber, wie lange das Militär an der Macht bleiben soll.

Das Militär wiederum hat wiederholt versucht, die Macht vollständig zu erlangen – unter anderem mit einem gescheiterten Putsch im September. Am Montag ist es dem Militär nun gelungen, die volle Kontrolle im Sudan an sich zu reißen. Als Grund für die Entmachtung des zivilen Teils der Regierung sagte der höchste General im Fernsehen, dass es aufgrund des Streits zwischen den Regierungspartnern zu viel Unruhe im Land gegeben habe.

Geteilte Meinung in der Bevölkerung über neue Machtverhältnisse

Die Meinungen in der Bevölkerung zum aktuellen Putsch gehen auseinander Einerseits gingen manche Menschen in den vergangenen Wochen auf die Straßen und demonstrierten für eine Machtübernahme des Militärs.

Andererseits gibt es Zitate von Bürgern wie dieses: "Eine Rückkehr des alten Regimes ist undenkbar für uns. Das sagen wir als Volk. Die Frauen und Männer des Sudans werden es nicht hinnehmen, dass man sie um die Demokratie und ein ziviles Leben im Land betrügt."

"Gestern hatten dann Anhänger des Ministerpräsidenten und auch Gewerkschaften aufgerufen, auf die Straße zu gehen. Aus Protest gegen den Putsch."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Viele Länder – auch die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union, die Arabische Liga und die Europäische Union – haben die Machtübernahme des Militärs verurteilt. Aus gegebenem Anlass wird es eine Sondersitzung der UNO geben. Die USA haben zudem bekanntgegeben, dass sie geplante Zahlungen an den Sudan stoppen wollen.

Hohe Inflation im Sudan

Der Wirtschaft im Sudan geht es nicht gut, unter anderem gibt es eine hohe Inflation. Deswegen hatten viele Länder, darunter auch Deutschland, dem Sudan gerade Schulden erlassen.

"Vielleicht reicht es den anderen Länder, wenn das Militär doch schnell richtige Wahlen zulässt, um im Dialog mit dem Sudan zu bleiben."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Laut Militär soll es 2023 Wahlen geben, bleibt abzuwarten, ob diese auch stattfinden werden.