Fünf Monate lang kontrollierten IS-Anhänger im vergangenen Jahr die philippinische Stadt Marawi. Mittlerweile gilt die Stadt im Süden des Landes als befreit. Doch die Gefahr durch radikale Islamisten bleibt bestehen. Unsere Korrespondentin Lena Bodewein war in der Region unterwegs.

Mindanao ist die südlichste Insel der Philippinen. Während der Großteil der Bevölkerung des Inselstaates katholisch ist, leben in Marawai, einer Stadt auf Mindanao, fast ausschließlich Muslime. Im vergangenen Jahr kontrollierten Anhänger des IS die Stadt 154 Tage lang. Im Oktober erklärte Delfin Lorenzana, der philippinische Verteidigungsminister, Marawi nach monatelangen Kämpfen wieder für befreit.

Streben nach Unabhängigkeit

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hängt auch mit der Geschichte Mindanaos zusammen, sagt unsere Südostasien-Korrespondentin Lena Bodewein. Die muslimische Bevölkerung habe immer für ihre Unabhängigkeit gekämpft. Auch jetzt wolle Mindanao eigentlich unabhängig werden und sich mit Malaysia und einem Teil Indonesiens zusammentun - mit Ländern also, in denen auch viele Muslime leben und wo die Idee eines gemeinsamen Kalifats ebenso verbreitet ist.

"Darum gibt es schon seit vielen Jahrzehnten diese paramilitärischen Gruppen, die entführen, die rauben und alles Mögliche tun, um an Geld zu kommen und ihren Unabhängigkeitskampf voranzutreiben."
Südostasien-Korrespondentin Lena Bodewein

Der IS habe es in Mindanao geschafft, all diese radikalen Gruppen zu vereinen, sagt Lena Bodewein. "Das bringt natürlich eine ganze Menge Schlagkraft, die vorher einfach nicht so vorhanden war."

Der IS findet in Mindanao einen guten Nährboden für seine Ideologie

Auch wenn Marawi nicht mehr unter IS-Herrschaft steht, radikale Islamisten können sich im Süden der Philippinen immer noch ausbreiten. Auf Mindanao finden die Anwerber des IS einen guten Nährboden: Die Bevölkerung leidet immer stärker unter Naturkatastrophen, es gibt kriegerische Auseinandersetzungen und viel Armut, sagt Lena Bodewein. Die Muslime fühlen sich vom Rest des Landes abgeschnitten und im Stich gelassen.

"Damit die Menschen ihre Familien versorgen konnten, haben sie sich für 1000 Dollar anwerben lassen. Denn die Regierung hat nicht schnell genug Hilfe gesandt."
Eine Sozialarbeiterin auf Mindanao über den Rekrutierungserfolg des IS nach einer Naturkatastrophe auf der Insel

Dabei gehe es weniger um die Ideologie des IS, sondern viel mehr um Geld, sagt der philippinische Sicherheitsanalyst Rommel Banlaoi. Spender aus dem Nahen Osten und Sympathisanten aus Indonesien und Malaysia versorgen die Islamisten mit finanziellen Mitteln.

Um die radikalen Islamisten im Land zu bekämpfen, hat die Regierung von Rodrigo Duterte in der Region das Kriegsrecht verhängt. Die Zentralregierung kann also in Mindanao regieren und gegen die Islamisten vorgehen. Die Armee sei in Mindanao jetzt sehr präsent, sagt Lena Bodewein. Sie soll verhindern, dass sich die Islamisten in anderen Teilen von Mindanao breit machen.

Ganz Südostasien ist betroffen

Aber nicht nur der Süden der Philippinen hat ein Problem mit radikalen Islamisten - in ganz Südostasien gibt es Brutstätten für die Ideologie des IS. Und seit der IS im Nahen Osten, in Syrien und dem Irak, immer weiter zurückgedrängt wird, geraten die zahllosen kleinen Inseln als Rückzugsorte in den Fokus. Wegen der Terrorgefahr haben sich zahlreiche Staaten, die sich sonst eher misstraut haben, jetzt zusammengetan, so Lena Bodewein. Unter anderem Malaysia, Thailand, Indonesien, die Philippinen und Singapur haben zusammen Manöver gestartet, trainieren ihre Armeen gemeinsam und lassen ihre Geheimdienste zusammenarbeiten, um die Islamisten in der Region im Zaum zu halten.

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