Ziemlich überraschend ist Joe Biden nach dem Super Tuesday in den USA auf der Überholspur. Bernie Sanders muss jetzt Motivationsarbeit leisten, sagt Politikwissenschaftler Thomas Jäger.

Vom Underdog zum Spitzenreiter: Der Erfolg des Demokraten Joe Biden beim Super Tuesday war für viele die große Überraschung. Während der ehemalige Vizepräsident bei den letzten Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und Nevada oft weit hinten lag, hat er nun 9 der 14 Bundesstaaten, in denen gewählt wurde, für sich entschieden.

Wer gewinnt in Kalifornien?

Konkurrent Bernie Sanders hat in mindestens drei Staaten gewonnen und liegt in Kalifornien vorn, dort sind die meisten Delegiertenstimmen zu vergeben. Die Mitbewerber Mike Bloomberg, Elizabeth Warren und Tulsi Gabbard sind weit abgeschlagen.

"Joe Biden hat eine unglaubliche Aufholjagd hingelegt."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler

Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt. Doch es ist schon jetzt klar: Sanders hat sich verkalkuliert: "Die Sanders-Kampagne hat sich verschätzt und gedacht, ihr Kandidat kommt bei den Afroamerikanern besser an als es dann tatsächlich der Fall war", sagt Politikwissenschaftler Thomas Jäger. "Die Sanders-Fraktion ist enttäuscht."

Enttäuschung auf Seiten von Sanders

Niemand habe erwartet, dass Joe Biden so stark abschneide. Mit seinem großen Sieg in South Carolina vor drei Tagen konnte Biden nach Ansicht Thomas Jägers das Ruder herumreißen. Das Parteiestablishment begann, sich hinter ihm zu versammeln. "Jetzt kommen immer mehr Senatoren und Gouverneure und sagen: Biden ist unser Mann."

"Warren will Sanders den Sieg nehmen und dann als Königsmacherin auftreten."
Politikwissenschaftler Thomas Jäger

Auf der linken Seite des Kandidatenspektrums ist neben Bernie Sanders auch noch Elizabeth Warren im Rennen. Sie liegt allerdings abschlagen zurück. Nach Jägers Einschätzung hat sie keine Chance mehr auf die Kandidatur.

Viele hätten vermutet, dass Warren aus dem Wettkampf aussteigt, so wie das Pete Buttigieg und Amy Klobuchar vor dem Super Tuesday getan haben. Die beiden hatten sich hinter Biden gestellt, um sich innerhalb des moderaten Lagers nicht gegenseitig die Stimmen zu nehmen.

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Warum Warren das nicht auch zu Gunsten von Sanders tut? "Sie will ihm den Sieg nehmen", meint Thomas Jäger. Sie wolle möglichst viele Delegiertenstimmen sammeln, um letztlich als Königsmacherin aufzutreten.

Das Ergebnis des Super Tuesday sei insofern erstaunlich, meint Thomas Jäger, als dass sich mit Biden der "ärmste" Kandidat durchgesetzt habe. Er habe keine gut organisierte Spender-Basis wie beispielsweise Bernie Sanders.

Der Multimilliardär hat sich verrechnet

Zu den Verlierern gehört neben Elizabeth Warren auch der Multimilliardär Mike Bloomberg. Er trat zum Super Tuesday erstmals an, gewann in American Samoa, konnte aber insgesamt nur wenige Delegiertenstimmen holen. Für Thomas Jäger zeigt das: "Geld schießt keine Tore, Geld allein gewinnt auch keine Wahlen."

Bloomberg soll schon mehr als eine halbe Milliarde Dollar für den Wahlkampf ausgegeben haben. Obwohl sich das nicht in Delegiertenstimmen ausgezahlt hat, will er weiterhin im Rennen bleiben. "Das wundert mich. Denn eine echte Chance hat er nicht mehr", sagt Thomas Jäger.

"Biden muss quasi um jeden Dollar betteln."
Politikwissenschaftler Thomas Jäger

Wer kann Trump schlagen?

Ob die Demokraten gegen Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen eine Chance haben, hängt laut Jäger auch davon ab, hinter wem sich die demokratische Basis versammelt. Doch da ist eine Prognose schwierig: Denn für die moderaten Demokraten sei der selbsternannte demokratische Sozialist Sanders schwer wählbar, umgekehrt könnte die linke Fraktion Probleme mit dem Establishment-Politiker Biden haben.

Nominierungsparteitage im Sommer

Die Vorwahlen ziehen sich noch bis Juni. Am 10. März wird in sechs Bundesstaaten über die Kandidaten der Demokraten abgestimmt. Besonders viele Delegiertenstimmen können die Bewerber noch bei den Vorwahlen in Florida und New York holen - jeweils mehr als 200. Im Sommer entscheiden die Demokraten und Republikaner dann auf Nominierungsparteitagen über ihre Präsidentschaftskandidaten.

Aktueller Stand:

Joe Biden hat bisher neun Bundesstaaten für sich entschieden: Virginia, North Carolina, Alabama, Massachusetts, Oklahoma, Tennessee, Arkansas, Minnesota, Texas. Sanders holt bisher drei Bundesstaaten: Vermont, Colorado, Utah - und liegt im stimmenreichsten Staat Kalifornien vorne. In vielen Bundesstaaten werden noch Wahlkreise ausgezählt. In Maine und Kalifornien steht der Sieger noch nicht fest. (Stand 04.03.2020, 13 Uhr)