Wie viel Verantwortung übernehmen Supermarktketten beim Thema Menschenrechte? Das wollte Oxfam wissen und untersuchte 16 Unternehmen weltweit. Vier deutsche Ketten schneiden besonders schlecht ab, sagt Steffen Küssner, Pressesprecher der Nichtregierungsorganisation Oxfam.

Bislang hat Oxfam meist konkrete Produkte untersucht und ist dafür in verschiedene Länder gereist, um sich die Produktion anzuschauen und um mit Arbeitern, Gewerkschaften und anderen zu reden. Bei den Gesprächen wurde klar, dass der enorme Preisdruck, den die Supermärkte ausüben, den Menschen am Ende der Lieferkette die Luft zum Atmen nimmt, so Steffen Küssner.

Oxfam untersucht die Geschäftspolitik

Deshalb hat es Oxfam diesmal anders gemacht. Die NGO hat sich die Geschäftspolitik von 16 Supermarktketten weltweit angeschaut. Welche Prinzipien setzen sich die Unternehmen? Was nehmen sie sich vor, damit bei der Herstellung von Lebensmitteln Menschenrechte eingehalten werden? "Das ist erschreckend wenig", sagt Steffen Küssner.

"Menschenrechte sind in der Geschäftspolitik der meisten Supermärkte höchstens eine Fußnote. Und die deutschen Supermärkte schneiden besonders schlecht ab."

Mit dem Supermarkt-Check hat Oxfam das ausgewertet, was die Unternehmen auf ihren Webseiten zum Thema veröffentlichen. Zum Beispiel, welche Richtlinien sie sich geben - zum Beispiel: Arbeiten sie mit Gewerkschaften vor Ort zusammen? Berücksichtigen sie in besonderer Weise die Situation von Frauen? Auch öffentlich zugängliche Berichte wie Jahresberichte oder Nachhaltigkeitsberichte wurden ausgewertet.

Wirtschaft und Menschenrechte

Diese Informationen wurden mit den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte abgeglichen. Diese buchstabieren quasi für die gesamte Wirtschaft, was getan werden muss, damit Unternehmen zum Beispiel in Industrieländern Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte bei ihren Lieferanten übernehmen, so Küssner.

Oxfam schickte die Ergebnisse dann an die Unternehmen, um nachzufragen, ob diese möglicherweise wichtige Informationen nicht veröffentlicht haben. Doch von den Firmen kam nichts mehr, so Küssner. 

Besonders schlecht schneiden vier deutsche Supermarktketten ab.

"Tatsächlich gehören Aldi, Lidl, Edeka und Rewe zu den Schlusslichtern im internationalen Vergleich."

Das liegt daran, so Küssner, dass die Unternehmen selbst keine Verantwortung übernehmen, sondern die Einhaltung der Menschenrechte auf ihre Lieferanten abwälzten. Sie versteckten sich hinter fragwürdigen Nachhaltigkeitssiegeln, die jedoch nicht einhielten, was sie versprechen.

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