Die beiden Sprachwissenschaftler aus Manchester sprechen elf Sprachen fließend. Sie sagen, in einer Woche könnt ihr eine neue Sprache lernen und haben für Deutschlandfunk Nova mit Obersorbisch den Beweis angetreten.

Tatsächlich haben die Superpolyglotbros Matthew und Michael Youlden es geschafft, nach einer Woche ziemlich gut auf Obersorbisch zu klingen. Dafür haben sie sich zu Hause "Klein-Oberlausitz" aufgebaut.

"Was ich sehr schön fand, dass super viele Sorbinnen und Sorben uns geschrieben haben und sich so gefreut haben, dass wir Obersorbisch lernen. Dadurch sieht man auch wie wichtig und lebendig die Sprache ist."
Matthew und Michael Youlden, Superpolyglotbros

Um besser Obersorbisch zu lernen haben sich die Superpolyglotbros auch mit der obersorbischen Kultur beschäftigt. Jetzt, da sie sich schon ganz gut auf Obersorbisch unterhalten können, wollen sie auch unbedingt die Oberlausitz kennenlernen. Über Facebook haben sie von vielen Menschen, die Obersorbisch sprechen, begeistertes Feedback und zahlreiche Einladungen bekommen.

"Es ist nicht wichtiger Chinesisch zu lernen als Obersorbisch. Jede Sprache hat etwas Faszinierendes an sich, jede Sprache ist wichtig."
Matthew und Michael Youlden, Superpolyglotbros

Obersorbisch wird nur noch von rund 40.000 Menschen gesprochen und zählt zu den gefährdeten Sprachen, erklären die Superpolyglotbros. Um diese Minderheitensprache zu lernen, haben sie eine Woche lang rund um die Uhr gelernt – mal aktiv mit Grammatik pauken, mal passiv durch Radiohören. Das Problem dabei: Weil es eine Minderheitensprache ist, gibt es nicht rund um die Uhr Angebote auf Obersorbisch. 

"Es gibt zwar das Sandmännchen auf Obersorbisch, aber wir würden uns wünschen, dass es mehr auf Obersorbisch gibt, damit die Sprache erhalten bleibt."
Matthew und Michael Youlden, Superpolyglotbros

Die Möglichkeiten Filme oder Radioprogramme auf Obersorbisch zu hören, sind weitaus geringer als bei anderen Sprachen. Zum Beispiel kommt einmal im Monat 30 Minuten lang eine Fernsehsendung auf Obersorbisch.

"Wir mögen das Wort "schwierig" nicht, aber ich würde sagen, für uns war Obersorbisch lernen bis jetzt die größte Herausforderung."
Matthew und Michael Youlden, Superpolyglotbros

In ihrer Wohnung ist alles mit Zetteln gepflastert, auf denen obersorbische Wörter stehen. Nach dieser Woche wollen sie auch weiter an der Sprache arbeiten. Die Sprachwissenschaftler analysieren die Logik, die hinter der Sprache steckt. Wie ist sie aufgebaut? Wie ist die Sichtweise der Sprecher? Die Superpolyglotbros halten Deutsch für eine sehr logische Sprache und sehen den Einfluss dieser Logik auf das Obersorbische.

"Die Zungenbrecher waren eine harte Arbeit."
Matthew und Michael Youlden, Superpolyglotbros
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Jan Budar nimmt er den Sprachtest der Superpolyglotbros ab. Er ist der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk. Jan Budar sagt, dass aktiv noch rund 25.000 Menschen Obersorbisch sprechen. Zu hören sei es aber nicht mehr nur in der Oberlausitz, sondern auch in Dresden, Berlin, Leipzig oder sogar München. Allerdings ist es für die Muttersprachler schwer, umzingelt von Deutschen, nicht automatisch immer mehr deutsche Wörter in den Sprachgebrauch aufzunehmen. 

Verwandtschaft mit slawischen Sprachen

Nieder- und Obersorbisch sind sich sehr ähnlich und die Sprecher können sich untereinander unterhalten, sagt Jan Budar. Einen Unterschied der beiden Sprachen macht er daran fest, dass das Obersorbische mehr dem Slowakischen, Tschechischen und das Niedersorbische dem Polnischen ähnlich ist.

"Die Vielzahl an Wörtern und dann das ganze grammatische System, da habe ich schon Respekt wie viel die Superpolyglotbros sich in dieser einen Woche erschlossen haben."

Das Ergebnis: Den Sprachtest nach sieben Tagen Obersorbisch lernen haben die beiden bestanden! 

"Grandios!"
Jan Budar, Direktor der Stiftung für das sorbische Volk

Matthew und Michael Youlden lernen für Deutschlandfunk Nova Obersorbisch: