Die Zwillingsbrüder Matthew und Michael Youlden aus Manchester haben mit acht Jahren Spanisch gelernt. Seitdem haben sie sich zusammen weitere 20 Sprachen reingezogen. Doch damit nicht genug. Jetzt lernen sie für Deutschlandfunk Nova Obersorbisch in einer Woche.

Ihre Leidenschaft für Sprachen haben Matthew und Michael Youlden mit einem Studium der Sprachwissenschaften gekrönt. Seit zehn Jahren lebt Matthew in Berlin, wo er an der Humboldt Universität studierte. Derzeit promoviert er an der Universität Leipzig. Michael blieb erst mal in England und hat dort seinen Master gemacht. Inzwischen lebt er auch in Berlin. Gemeinsam haben sie die Polyglotbros aufgebaut: eine Online-Sprachschule, mit der sie ihre Tipps und Tricks zum Spracherwerb weitergeben wollen.

Obersorbisch in sieben Tagen

Für Deutschlandfunk Nova zeigen Matthew und Michael wie ihre Tipps und Tricks praktisch angewendet funktionieren: Sie lernen Obersorbisch innerhalb von sieben Tagen.

Obersorbisch ist eine slawische Sprache und wird in der Oberlausitz gesprochen. Die beiden glauben, dass sie nach einer Woche zumindest eine kleine Unterhaltung führen oder etwas im Restaurant bestellen können.

  • Ihr Plan: Jeden Tag zu einer festen Uhrzeit wird eine halbe Stunde Grammatik gelernt, Zeitformen werden analysiert oder Vokabeln gepaukt.
  • Material: Bunte Mischung aus Büchern, Zeitschriften, Arbeitsbüchern, Musik, Filmen, Serien
  • Zum einen sind Filme oder Musik eine Art Belohnung nach dem Lernen, zum anderen hören sie dabei ganz nebenbei, wie die Sprache richtig ausgesprochen wird und bekommen ein Gefühl für die Sprache.
  • Tipp: Wichtig ist, dass man nicht nur aktiv die Sprache lernt, sondern abwechselt zwischen aktiv und passiv.
  • Aktives Lernen: Aktive Beschäftigung mit der Sprache wie Grammatikregeln lernen, Bücher lesen
  • Passives Lernen: Radio und Musik hören in der Sprache, Nachrichten lesen, Filme schauen
  • Das passive Lernen lehnt sich an den kindlichen Spracherwerb an. Kinder können keine Sprache sprechen, wenn sie auf die Welt kommen. Sie hören lange einfach nur die Sprache, bevor sie das erste Wort sprechen.
  • Aussprache: Nicht nur genau auf die Aussprache achten, sondern auch spielerisch umsetzen, zum Beispiel vorm Spiegel, um ein Gefühl für die eigene Aussprache zu entdecken.
"Wenn man beschließt, eine neue Sprache zu lernen, dann geht es nicht nur darum, Vokabeln und Grammatikregeln auswendig zu lernen, sondern wirklich zu verstehen, wie die Sprache aufgebaut wird, wie man durch diese Sprache auch eine ganz andere Sichtweise bekommt."

Für die beiden erschließen sich Sprachen auch als logische Systeme: Kennt man ein Wort, so kann man sich andere Wörter und Redewendungen erschließen. Fließend sprechen die beiden zwölf Sprachen. Sprachkenntnisse haben sie von mehr als 20 Sprachen, wobei die Spanne zwischen "gut kennen" und Grundkenntnisse reicht.

"Aber es geht nicht nur darum, eine Sprache fließend zu sprechen, sondern allein die Begegnung mit einer neuen Sprache ist so eine Art Anfang, die Welt besser zu verstehen."
Matthew und Michael Youlden

Die Sprache öffnet den Blick in die fremde Kultur und hilft zu verstehen, warum die Menschen Dinge unterschiedlich begreifen oder beschreiben, erklären die Superpolyglotbros. Selbst halten sich die beiden nicht für besonders sprachbegabt. Vielmehr ihre Einstellung gegenüber der anderen Sprache und die Art des Trainierens machen es den beiden leicht, neue Sprachen zu lernen.

"Es gibt 7.000 Sprachen auf dieser Welt und natürlich würden wir alle gerne sprechen."
Matthew und Michael Youlden

Schlüsselerlebnis war ein bevorstehender Spanien-Urlaub. Matthew und Michael hatten sich überlegt, dass sie vorher Spanisch lernen sollten, damit sie sich mit den anderen Achtjährigen unterhalten und spielen können. "Das war für uns Anreiz genug, in die Stadt zu gehen und uns ein Miniwörterbuch und einen Sprachführer zu kaufen. Und dann haben wir losgelegt, spanische Vokabeln zu lernen." Dass beide so begeistert von neuen Sprachen sind, hat ihnen geholfen, zusammen so schnell neue Sprachen zu lernen.

"Wenn zwei Engländer es schaffen, eine weitere Sprache zu lernen, kann es jeder."
Matthew und Michael Youlden

Matthew sagt, dass es auch kein Problem ist, sich in den verschiedenen Sprachen fit zu halten, weil so vieles online verfügbar ist. Beispielsweise interessiert er sich für Fußball und hört die Sportberichte dann in den verschiedenen Landessprachen. "Es ist sehr wichtig, wenn man eine Sprache lernt, dass man sie sehr gut mit seinen Hobbys kombinieren kann", sagt Matthew.

"Sprachen sollten nicht einfach nur erlernt werden, sondern sie sollten auch ein Teil unseres Alltags werden, das heißt, dass der Alltag weitgehend in dieser Sprache stattfindet."
Matthew und Michael Youlden

Wenn die beiden zum Beispiel Spanisch sprechen, dann überlegen sie nicht auf Englisch, wie das Wort auf Spanisch heißen könnte, sondern versuchen auf Spanisch zu denken oder Spanier zu sein. "Wenn wir Estnisch lernen, dann versuchen wir zu Hause ein kleines Estland zu bauen."