Heute (15.07.2019) beginnt das traditionelle Zählen der royalen Schwäne auf der Themse. Das Ganze hat eine sehr lange Tradition - wir erklären euch, was es damit auf sich hat.

Seit dem 12. Jahrhundert gehören die Schwäne auf der Themse traditionell dem Königshaus und den beiden Zünften Vintners und Dyers aus London. Die Zählung der Vögel findet bis heute statt. Dabei sitzt eine ganze Horde von Schwan-Zählern ("Swan-Uppers") in hölzernen Booten und rudert fünf Tage lang einen bestimmten Abschnitt der Themse entlang.

"Das Swan Upping dauert eine Woche und ist quasi eine Volkszählung für Schwäne."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Die Ruderboote sind mit Fahnen geschmückt, auf denen Schwäne abgebildet sind. Und die Zähler tragen alle eine Art Uniform: schicke Poloshirts mit einem eigenen Emblem und weiße Hosen.

Mehr als nur zählen

Die Swan Upper kontrollieren vor allem die jungen Schwäne: Wenn sie ein Elternpaar mit Nachwuchs sehen, rudern sie hin und fangen die jungen Schwäne. Anschließend werden diese an Bord des Bootes gewogen, auf Krankheiten überprüft und "beringt" – das heißt, sie werden mit einem individuell nummerierten Metallring versehen.

Anders als in Deutschland, wo jeder mitmachen kann, wenn der Nabu mal wieder zum Vogelzählen aufruft, dürfen Laien in England nur vom Uferrand zuschauen. Nicht wenige machen das auch – einige mit einem alkoholischen Kaltgetränk in der Hand.

Nicht jeder darf mitmachen

Bei den Swan Uppers gibt es drei Teams: Crown, Vintners Company und Dyers Company. Sie tragen blaue, weiße oder rote Shirts. Die Queen herself könnte natürlich auch mit von der Partie sein, wenn sie das wollte – sie kommt dieser Aufgabe aber in der Regel nicht (mehr) nach. Ihr Stellvertreter in dieser Rolle ist "Her Majesty's Swan Marker", sozusagen der Teamchef der royalen Schwanzähler. David Barber heißt der Mann (oben im Bild), er trägt eine rote Uniform und hat (so wie die anderen Teamchefs auch) eine weiße Schwanenfeder an seiner Mütze.

"Many many years ago, of course, the swan was bred for the table. That was in the 12th century. But now of course, swans are no longer eaten."

Früher wurden am Hof Schwäne gegessen, deshalb hat die Queen das Recht auf die Tiere, erklärt Barber. Heute werden die Vögel nicht mehr gegessen, sondern die ganze Aktion wird vor allem zur Aufklärung und zum Schutz der Schwäne durchgeführt. Sie sind nämlich bedroht.

Gefahren für Schwäne

Auf der Homepage royalswan.co.uk wird vor allem die steigende Zahl an Hunde-Attacken kritisiert. Erwachsene Schwäne wurden dabei getötet oder verletzt und die Eier gingen kaputt. Außerdem haben die Schwäne mit Umweltverschmutzung und Müll zu kämpfen – und mit Anglerzeug und Haken, in denen sie sich verfangen können – mit teils tödlichen Folgen.

"Fishing tackle is one of the serious problems that we have, which killed quite a few young cygnets. Fishing is a problem to us, but we do talk to fishing clubs throughout the year to try and educate them."

In den letzten Jahren gab es eine negative Entwicklung bei den Zahlen der jungen Schwäne: Von 120 Tieren im Jahr 2014 ging die Zahl 2016 auf 72 zurück, also auf fast die Hälfte. Seit 2017 hat sich die Situation aber wieder verbessert, da gab es 132 neue Schwäne.